Eklat im Bayern-Block

Hass-Banner gegen Hopp: Jetzt erklären sich die Fans

02. März 2020 - 11:48 Uhr

Hass-Banner gegen Dietmar Hopp im Gästeblock

Riesen-Eklat beim Spiel der Bayern bei der TSG Hoffenheim: Fans des Rekordmeisters zeigten ein Hass-Banner gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp. Der Referee unterbrach das Spiel, die Bayern-Bosse schäumten vor Wut, kündigten hartes Vorgehen gegen die Beteiligten an. Nun erklären sich die Fans.

Fans: Diskussion mit DFB unmöglich

Verantwortlich für die Banner sind die Gruppen "Schickeria" und "Red Fanatic", wie die Süddeutsche Zeitung berichtete. "Red Fanatic" hat seine Autorenschaft inzwischen bestätigt. Man müsse die Wortwahl, die eindeutig auf ein ähnliches, sanktioniertes Dortmunder Spruchband Bezug nahm, "nicht teilen", hieß es in einer Stellungnahme. Die Gruppierung sei aber "vor allem von den undifferenzierten und völlig überzogenen Reaktionen auf allen Ebenen entsetzt". Es sei "schlichtweg schwachsinnig", eine bloße Beleidigung "mit rassistisch motivierten Taten zu vergleichen". Schon am Samstag hatte sich ein Zusammenschluss verschiedener Münchner Fan-Clubs zum Eklat geäußert.

So begann die Hopp-Eskalation

Auch in anderen Stadien kam es zu Schmähungen gegen Hopp und den DFB. Was steckt hinter der Hass-Banner-Welle in deutschen Stadien? Der DFB hat kürzlich entschieden, dass die Fans von Borussia Dortmund in den kommenden zwei Jahren keine Spiele in Hoffenheim besuchen dürfen. Vor zwei Jahren hatten BVB-Fans Hass-Banner gegen Hopp gezeigt. Die Ultra-Szene fühlt sich nun verbunden im Kampf gegen die Kollektivstrafe.

"11 Freunde"-Chefredakteur Philipp Köster: DFB macht überforderten Eindruck

Fanprojekt-Leiter warnt vor "unruhigen Zeiten"

Wie kann es nun weitergehen? Michael Gabriel, Chef der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS), befürchtet nach dem Skandal von Hoffenheim "eine Spirale der Eskalation" im deutschen Fußball. "Ich glaube, dass alle Beteiligten schauen müssen, dass man diese Spirale stoppt", sagte er. Man müsse nach Möglichkeiten suchen, miteinander ins Gespräch zu kommen. "Wenn das nicht passiert, dann steht tatsächlich die Befürchtung, dass wir auf sehr unruhige Zeiten zusteuern", warnte Gabriel.

"Die Plakate stellen eindeutig eine Beleidigung in einer unangemessenen Ausdrucksform dar", sagte Gabriel. "Ich habe aber den Eindruck, dass die Kategorien da ein bisschen durcheinander geraten sind. Diese Beleidigungen in den Kontext mit dem rassistischen Anschlag von Hanau zu setzen oder mit Diskriminierung gleichzusetzen, das stößt in den Fanszenen auf sehr viel Unverständnis und Irritationen." Man frage sich: "Wie fühlen sich diejenigen, die tatsächlich Adressaten von rassistischen oder sexistischen Beleidigungen waren im Fußball in den vergangenen Jahren? Wo hat es vergleichbare Reaktionen bei den Verantwortlichen in Vereinen und Verbänden gegeben?"

rtl.de/sid/dpa