Spekulation oder Spektakulär?

Harvard-Professor meint: Asteroid 2017 ist Alien-Technologie

Oumuamua wurde 2017 von Hawai aus entdeckt. Besonders seine längliche Form fällt ins Auge.
Oumuamua wurde 2017 von Hawai aus entdeckt. Besonders seine längliche Form fällt ins Auge.
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08. Januar 2021 - 16:36 Uhr

Asteroid mit ungewöhnlicher Form

Es war das erste interstellare Objekt, das von der Menschheit entdeckt wurde: 1I/ʻOumuamua (A/2017 U1). Seine ungewöhnliche Form lassen Wissenschaftler rätseln und spekulieren. Das zigarrenförmige Objekt könne sogar ein Teil außerirdischer Technologie sein, mutmaßte der Harvard-Professor Avi Loeb in seinem Ende Januar erscheinenden Buch "Extraterrestrial". Das Objekt falle nicht nur wegen seiner Form auf, auch flöge es zu schnell und hinterlasse beim Besuch in unserem Sonnensystem keine Trümmer. Seltsam.

Ein Stück Weltraummüll

Mysteriöser Asteroid Komet Oumuamua
So stellen sich Forscher Oumuamua vor
© ESO / M. Kornmesser

Avi Loeb ist Professor an der renommierten US-Universität Harvard. Dass der Astronom nun in seinem am 26. Januar erscheinenden Buch "Extraterrestrial" schreibt, er gehe von einer Alien-Technologie aus, sorgt für Aufsehen. Gemeint ist das 2017 entdeckte Objekt 1I/ʻOumuamua (vorher A/2017 U1). Der zigarrenförmige Asteroid ist das erste von der Menschheit entdeckte Objekt, das nicht aus unserem Sonnensystem stammt und es auch auf Nimmerwiedersehen verlässt.

"Das Objekt war kein natürliches Ereignis, sondern ein Stück Weltraummüll, der von einer anderen Galaxie ausgestoßen wurde", ist sich Loeb, Professor für Naturwissenschaften mit einem Doktortitel in Physik, sicher.

Zu schnell für die Sonne

Ist Oumuamua Müll von Außerirdischen? Professor Avi Loeb während einer Konferenz zur Weltraumerkundung im Jahr 2016.
Professor Avi Loeb während einer Konferenz zur Weltraumerkundung im Jahr 2016. an der auch Steven Hawking teilnahm. Im Vordergrund zu sehen ist die frühere Nasa-Astronautin Dr. Mae C. Jemison.
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Aufgrund seiner hohen Geschwindigkeit von durchschnittlich 26,3 Kilometern pro Sekunde kann das etwa 100 Meter große Objekt nicht von der Sonne eingefangen werden. Es ist so schnell, dass es mit den momentan existierenden Mitteln nicht mit einer Rakete erreicht werden kann. Unser weltweit schnellstes Raumfahrzeug, Voyager 1, schafft "nur" 16,6 km/s.

Die Umlaufbahn der Erde hatte 1I/ʻOumuamua bereits 2017 passiert. Der Name 'Oumuamua ist hawaiianisch und bedeutet "erster Bote". Seinen Ursprung vermuten die Wissenschaftler aus der Richtung in der sich heutzutage der Stern Wega im Sternbild der Leier befindet. Als sich 'Oumuamua vor rund 300.000 Jahren jedoch in dieser Region befand, war Wega noch nicht dort. Ob es sein Startpunkt war, kann bisher auch noch nicht mit Sicherheit gesagt werden, doch geht man von einer Reise von Hunderten von Millionen Jahren aus.

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Suche nach außerirdischer Intelligenz

Das Forschungsteam Seti ist seit den 80er Jahren auf der Suche nach außerirdischer Intelligenz.
Das Forschungsteam Seti ist seit den 80er Jahren auf der Suche nach außerirdischer Intelligenz.
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Die einzigartige Chance ʻOumuamua zu untersuchen, nutzten auch das Seti-Forschungsteam für die Suche nach außerirdischem Leben. Doch fanden die Wissenschaftler keine Hinweise. Im Dezember 2017 wurde das Radioteleskop am Green-Bank-Observatorium im US-Bundesstaat West Virginia auf ʻOumuamua gerichtet, um mögliche Signale künstlichen Ursprungs von 'Oumuamua zu empfangen. Aber auch das Forschungsprojekt Breakthrough Listen blieb erfolglos.

Oumuamua nur eine Art Sonnensegel?

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Das mit einem hauchdünnen Solarsegel versehene Raumschiff Ikaros wurde von einer H-IIA- Trägerrakete zusammen mit Japans erstem Venus-Satelliten Akatsuki erfolgreich in den Orbit befördert.

Die Beobachtung, die Loeb zu seiner Spekulation über außerirdische Technologie trieben, war die Geschwindigkeit mit der sich das Objekt von der Sonne weg bewegte. Normalerweise würde ein Objekt auf dem Weg Richtung Sonne beschleunigt und von ihr weg verlangsamt. Nicht so bei Oumuamua. Es erhöhte leicht seine Geschwindigkeit. Nun untersuchten Loeb und sein Team die Form des Objekts erneut und kamen zu dem Schluss, dass es nicht zigarrenförmig sein müsse, sondern vielleicht eine Scheibe mit weniger als einem Millimeter Dicke wie ein Sonnensegel. Als solches wäre die Beschleunigung von der Sonne weg erklärt. Diese Theorie findet allerdings nicht überall Anhänger. Was auch immer 1I/ʻOumuamua ist, die Zeit schwindet, in der wir es jemals erfahren könnten. Die Sonne hat das Objekt nämlich schon passiert.