1. Mai 2018 - 17:50 Uhr

Gegenwind für den designierten Gesundheitsminister Jens Spahn

Noch nicht mal im Amt und schon im Kreuzfeuer der Kritik: Der designierte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) muss für seine Äußerungen zum Thema Hartz IV ordentlich einstecken. Aber weiß Gutverdiener Spahn (Ministergehalt über 15.000 Euro/Monat) überhaupt, wovon er spricht?

Ralf Stegner findet Jens Spahns Aussagen "völlig daneben"

Der designierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).
Der designierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erntet für seine Äußerungen zum Thema Hartz IV scharfe Kritik.
© imago/Jens Jeske, Jens Jeske/www.jens-jeske.de, imago stock&people

Mit Hartz IV habe "jeder das, was er zum Leben braucht", hatte Jens Spahn im Rahmen der Diskussion um einen Aufnahmestopp für Ausländer bei der Essener Tafel gesagt. Zwar würden die Tafeln Menschen helfen, "die auf jeden Euro achten müssen. Aber niemand müsste in Deutschland hungern, wenn es die Tafeln nicht gäbe."

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner hat für Spahns Äußerungen kein Verständnis. "Die Unterschiede zwischen Arm und Reich haben so ein Ausmaß, dass man solche Äußerungen nicht machen kann, wie Spahn sie macht. Das ist völlig daneben, was er sagt", kritisierte Stegner. Allerdings hofft er gleichzeitig auf einen positiven Effekt für seine Partei, da Spahns Worte den Unterschied zu den Sozialdemokraten klarmachten. Auch der kommissarische SPD-Chef Olaf Scholz ging auf Distanz: "Wir haben andere Vorstellungen." Er glaube, "Herr Spahn bedauert ein wenig, was er gesagt hat".

Die Kinder von Hartz-IV-Beziehern leiden besonders

Aber wie lebt man wirklich, wenn man sich jeden Euro genau einteilen muss? Perry Feth ist alleinerziehender Vater von drei Kindern und muss mit 1.470 Euro Hartz IV im Monat auskommen. Klingt erst mal nach nicht ganz so wenig, aber knapp die Hälfte geht schon für die Miete drauf. Zieht man alle Fixkosten ab, bleiben der vierköpfigen Familie weniger als 500 Euro für Lebensmittel und weitere Ausgaben, die täglich anfallen. "Ich muss diesen Monat überlegen, wie ich diese 30 Euro für diese Schulfahrt für meine Tochter bezahle. Im nächsten Monat steht eine richtige Klassenfahrt an, das sind auch schon wieder 130 Euro", klagt Perry Feth. Dass ausgerechnet seine Kinder unter der Armut leiden müssen – das ist für den ausgebildeten Hotelkaufmann das Schlimmste: "Sie werden auch gleichzeitig stigmatisiert, weil es den Kindern natürlich anzusehen ist, dass sie nicht viel haben." Die Aussage des angehenden Gesundheitsministers Jens Spahn findet er anmaßend und unverschämt.

Wie der Alltag der Familie aussieht und was die Menschen in Jens Spahns Heimatstadt Ahaus von seinen Äußerungen halten, erfahren Sie im Video.