"Hart aber fair"

Professor will zwei Drittel aller Kliniken schließen

© WDR/Oliver Ziebe, WDR

19. November 2019 - 11:08 Uhr

Weniger Krankenhäuser = bessere Gesundheitsversorgung?

Der Gesundheitswissenschaftler Reinhard Busse will zwischen 800 und 1.000 der knapp 1.400 öffentlichen Kliniken schließen lassen – und so die Gesundheitsversorgung der Deutschen verbessern. Die Idee des Profesors klingt erst mal wahnsinnig, hat aber wohl Hand und Fuß.

Darüber wurde bei "Hart aber fair" diskutiert

Busse ist nicht allein mit seiner Forderung. Viele Experten sind der Meinung, dass es in Deutschland viel zu viele Krankenhäuser gibt und darunter die Qualität leidet. Ihre Forderung: weniger Kliniken, die dafür aber spezialisierter sind.

Die Gäste und ihre wichtigsten Aussagen

  • Katja Kilb Jacobsen, deutsche Ärztin in Dänemark: "Ich würde auch als Patientin lieber in Dänemark als in Deutschland behandelt werden."
  • Reinhard Busse, Gesundheitsökonom: "Heute haben drei von fünf Krankenhäusern keine Koronarangiografie. Wenn ich also in irgendein Krankenhaus gehe, liege ich in drei von fünf Fällen im falschen Krankenhaus (und sterbe im schlimmsten Fall, Anm. d. Red.). Von daher ist es besser, ich fahre etwas länger in ein Krankenhaus, in dem mir schnell und gut geholfen werden kann."
  • Martin Litsch, AOK-Chef: "Wir müssen die Krankenhauslandschaft dringend anders sortieren: Wir brauchen eine Grundversorgung in der Fläche […] und spezialisierte Häuser."
  • Gerald Gaß, Chef der deutschen Krankenhausgesellschaft: "Ich suche mir natürlich bei einer planbaren Leistung das bestmögliche Krankenhaus aus."
  • Sabine Bätzing-Lichtenthaler: "Wir müssen immer geleitet werden von der Devise: Wie sichern wir die Grund-, Regel- und Spezialversorgung?"
  • Rainer Hoffmann, Arzt im Ruhestand: "Natürlich ist eine Bauchspeicheloperation etwas, das eine spezialisierte Klinik erfordert."

Das Fazit

Der Krankenhaustalk im Ersten ist mehr Überzeugungssendung als echte Diskussion: Gegen die harten Fakten und Zahlen der Reformwilligen haben die Gegner (Gaß, Bätzing-Lichtenthaler und Hoffmann) keine Chance – und auch Moderator Frank Plasberg macht ungewohnt deutlich klar, dass er nicht viel vom aktuellen System hält.