Hannover: Chicos Schicksal ist besiegelt: "Der Hund wird definitiv zeitnah eingeschläfert"

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7. April 2018 - 11:26 Uhr

Hund Chico biss seinen Besitzer und dessen Mutter tot

Gewissheit nach tragischem Unglück in Hannover: Eine 52-Jährige und ihr 27 Jahre alter Sohn wurden am Dienstagabend tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Die Obduktion der Leichen bestätigte, dass beiden Opfer tatsächlich an den Bissverletzungen, die ihnen ihr eigener Staffordshire-Terrier-Mischling Chico zufügte, gestorben sind. Damit wurde auch Chicos Schicksal besiegelt: "Der Hund wird definitiv zeitnah eingeschläfert", sagte der Sprecher der Stadt Hannover, Udo Möller. Bei den Opfern seien die "durch den Staffordshire-Terrier-Mischling verursachten Bissverletzungen todesursächlich". Warum es zu dem Vorfall kam, ist weiterhin unklar. Im Tierheim Langenhagen wartet das Tier nun auf die tödliche Spritze.

Stadt Hannover räumt Fehler ein: 2011 wurde sie bereits auf Chico aufmerksam

Nach der Hundeattacke hat die Stadt Hannover Fehler eingeräumt: Chico ist den Behörden bereits 2011 aufgefallen. Nach einem Hinweis des Amtsgerichtes hätte das Tier damals begutachtet werden müssen, was aber unterblieben sei, teilte die Stadt am Freitag mit. Nach jetzigen Erkenntnissen hätte eine Begutachtung dazu geführt, dass dem Besitzer die Haltung des Tieres verboten worden wäre. Die genauen Umstände für dieses Versäumnis und mögliche Konsequenzen würden derzeit untersucht. Einzelheiten will die Stadt am Montag bekanntgeben.​

Das Herrchen war mit dem Hund völlig überfordert

Die beiden Opfer seien mit dem Hund wohl überhaupt nicht zurechtgekommen. Die 52-Jährige Mutter des Besitzers war pflegebedürftig, der 27-Jährige selbst schwer krank. Mit Hilfe einer toxikologischen Untersuchung solle noch geklärt werden, ob die Opfer zum Beispiel Medikamente genommen hatten, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, Thomas Klinge. Der Besitzer hatte den Hund in einem Metallkäfig in seinem Zimmer gehalten und Nachbarn zufolge nur selten ausgeführt. Dies bestätigten die Nachbarn kurz nach der Tragödie auch unseren RTL-Reportern, wie sie im Video oben sehen.

Ein Rentnerpaar hatte in der Vergangenheit den Tierschutzverein informiert, der bei zwei Besuchen 2014 und 2016 allerdings keine Vernachlässigung des Terrier-Mischlings festgestellt hatte. Der Stadt Hannover waren bei Prüfungen der vergangenen fünf Jahre keine früheren Angriffe bekannt. Chico war angemeldet und nicht als gefährlicher Hund eingestuft. Inzwischen sei ein längerer Zeitraum überprüft worden und der Vorfall von 2011 entdeckt worden, gab die Stadt am Abend bekannt.

Experten: Jeder Hund kann gefährlich werden

Derartige Attacken kommen höchst selten vor. Jährlich sterben in Deutschland im Schnitt drei bis vier Menschen an Hundebissen oder nach Hundestößen. Studien zufolge werden meist dem Hund bekannte Menschen zu Opfern, häufig Kinder oder Senioren. Nach der Attacke war der Ruf nach strengeren Kontrollen für Hundebesitzer laut geworden. Auch eine Diskussion um sogenannte Kampfhunde kam auf. Im niedersächsischen Hundegesetz gibt es keine Rasselisten mit per se als gefährlich eingestuften Hunden. Wissenschaftler betonen, dass jeder Hund gefährlich werden kann. Allerdings verursachen größere Hunde schwerere Bissverletzungen. Zudem werden unter anderem Staffordshire-Terrier illegal speziell auf Angriffe auf andere Hunde oder sogar auf Menschen trainiert.