Eindämmung des Virus nicht um jeden Preis

Handyortung gegen Corona: Das würde uns doch nur in falscher Sicherheit wiegen!

Berlin, Plenarsitzung im Bundestag Deutschland, Berlin - 25.03.2020: Im Bild ist Jens Spahn (Bundesminister für Gesundhe
© imago images/Christian Spicker, Christian Spicker via www.imago-images.de, www.imago-images.de

31. März 2020 - 14:37 Uhr

Ein Kommentar von Susanne Ungrad

Die Politik sucht Wege langfristig die Corona-Maßnahmen abzubauen.Gesundheitsminister Spahn will dazu bis Ostern einen Plan vorlegen.  Eine zentrale Rolle könnte dabei die Handy-Ortung spielen. Je nach dem, an welchem Ort ein Handynutzer gerade ist, wählt er sich automatisch in eine Funkzelle ein.

Wenn der Staat das Recht hat abzufragen, in welchen Funkzellen sich ein Infizierter aufhält, könnte er schauen, wer da noch zur Zeit war. Ein Vorschlag, der kontrovers diskutiert wird. Unsere Autorin hat dazu eine klare Meinung: So leicht geht das nicht!

+++ Alle aktuellen Infos zum Corona-Virus und seinen Folgen jederzeit im Live-Ticker +++

Handy-Überwachung in Corona-Zeiten: Der Staat schaut auf dich!

Ja, die Ausbreitung des Virus muss bekämpft werden und jeder ist dabei gefragt. Die Ausbreitung muss gestoppt werden, um jeden Preis - um wirklich jeden Preis? Ich finde nicht!

Mit Handy-Ortung soll nun alles besser werden und wir könnten eher in den Normalzustand übergehen. Als Vorbild wird da Südkorea genannt. Was dort "großartig"  - wie es von Befürwortern des Systems heißt - funktioniert, ist jedoch nicht so leicht auf Deutschland zu übertragen. In Korea haben die Behörden Zugriff auf deutlich mehr Daten. In Deutschland undenkbar, zu Recht.

Nichts geht ohne Datenschützer

 Händedesinfektionsmittel nahezu ausverkauft in Deutschland - Impressionen von Desinfektionsmittel gegen SARS-CoV-2 Händedesinfektionsmittel gegen das SARS-CoV-2 sind nahezu ausverkauft in Deutschland. Impressionen von Sterillium  Händedesinfektionsm
Die Deutschen würden sich imit einer App in einem falschen Sicherheitsgefühl wiegen, glaubt unsere Autorin.
© imago images/7aktuell, 7aktuell.de | Max RÃ’¼hle via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Die auch diskutierte App, mit weniger Daten, wäre da denkbar. Doch sie schafft eben auch keine flächendeckende Aussagekraft, schon gar nicht, wenn nicht alle oder so gut wie alle mitmachen. Die Deutschen würden sich in einem falschen Sicherheitsgefühl wiegen. Mich ruft ja keiner an - also bin ich nicht infiziert und kann mich sorglos mit anderen treffen.

Und wenn es dann doch ein Handy-Tracking geben muss, dann bitte VORHER mit allen Entscheidern darüber reden - und vor allem den Datenschützern. Ohne deren Go darf kein Politiker entscheiden, auch nicht ein Gesundheitsminister mit all seinen Sonderbefugnissen.

Ohne eine zeitliche Befristung ist die Tür zum Überwachungsstaat geöffnet. Wenn es nicht um die Eindämmung der Ausbreitung des Corona-Virus geht, mhmhmm...für was könnte man dann wohl noch das Tracken nutzen. Passt doch so schön, könnte so mancher Innenpolitiker auf die Idee kommen. Immerhin liegen ja schon solche ähnlichen Pläne auf dem Tisch des Innenministers. Einsatz auf Demos zum Beispiel könnte eine Idee sein.

Ohne Tests ist Ortung sinnlos

Und: Man müsste klären, wer die Ortung kontrolliert und wie eine Einwilligung der Betroffenen eingeholt werden kann. Eins steht dabei fest: Nur wenn ausreichend getestet wird, ist eine Überwachung der Infizierten überhaupt sinnvoll. Doch noch gibt es in Deutschland nicht ausreichend Tests für alle. 

Also, bitte doch erst einmal die Details besprechen, bevor vorschnell das Handy-Tracking als DIE Lösung gegen Corona ausgerufen wird. Die Diskussion muss ja nicht so lang dauern, wie sonst in der Politik.