Nie bestellt - trotzdem auf der Rechnung

Handy-Abofallen: So werden Kunden abgezockt

13. Oktober 2020 - 16:29 Uhr

Finanztest: Mobilfunkanbieter verstoßen gegen geltendes Recht

Schock beim Blick auf die monatliche Handyrechnung: Bei vielen Kunden tauchen hier immer wieder Kosten für Spiele, Klingeltöne oder andere Dienste auf, die sie nie bestellt haben – obwohl ihr Mobilfunkanbieter sie eigentlich seit Februar 2020 mit einem speziellen Verfahren genau davor schützen müsste. Doch wie "Finanztest" jetzt zeigt, ist der rechtlich verpflichtende Schutz vor Abofallen oft mehr als lückenhaft. Was also tun, wenn man selbst in eine tappt?

Redirect-Verfahren ist Pflicht - eigentlich

Seit dem 1. Februar 2020 müssen Mobilfunkanbieter beim Abschluss eines Abos für Drittanbieter-Leistungen oder Mehrwertdienste das sogenannte Redirect-Verfahren einsetzen: Wenn Smartphone-Besitzer auf ihrem Gerät durch Antippen etwas abonnieren wollen, werden sie zunächst auf eine Seite des Mobilfunkanbieters umgeleitet, um den Kauf dort abzuschließen – und zwar per Tipp auf einen Button mit eindeutiger Aufschrift, etwa "zahlungspflichtig bestellen".

Das Redirect-Verfahren ist von der staatlichen Aufsicht, der Bundesnetzagentur, vorgeschrieben. Bei Einzelkäufen sind auch andere, sichere Methoden erlaubt. Doch dieser Verpflichtung kommen viele Mobilfunkanbieter laut "Finanztest" nicht nach. Im Gegenteil: Sie würden rechtliche Grauzonen ausnutzen, warnt das Verbrauchermagazin.

Mehrkosten durch undurchsichtiges Anbieter-Wirrwarr

"Finanztest" liegen zahlreiche Beschwerden von Verbraucherinnen und Verbrauchern vor. Es gebe viele Fälle, in denen der Kundenschutz ausgehebelt werde - etwa, indem die Drittanbieterleistung plötzlich als eigene Leistung des Providers deklariert werde, oder schlicht durch Anbieter-Wirrwarr. Ihr Geld – in einem Fall ganze 130 Euro – bekamen die Kunden offenbar erst von den Anbietern Telekom, Mobilcom-Debitel und Klarmobil zurück, als das Magazin nachhakte.

Falsche Kosten auf der Handyrechnung? Das sollten Sie jetzt tun

  • Nicht bezahlen
    Die Experten raten Betroffenen, auf keinen Fall zu zahlen, wenn sie nichts bestellt haben. Sowohl bei der Mobilfunkfirma als auch beim Drittanbieter sollte man schriftlich bestreiten, dass ein Vertrag zustande gekommen ist – einen Musterbrief hierfür stellt "Finanztest" auf seiner Website zur Verfügung.
  • Nicht beirren lassen
    Lassen Sie sich nicht verunsichern, wenn der Provider als angeblichen Bestellbeweis nur eine unplausible Aufzählung aus Zahlen und Buchstaben vorlegt. So etwas sei kein Beweis für eine tatsächliche Bestellung.
  • Anzeige erstatten
    Außerdem raten die Experten zur Anzeige des Anbieters der angeblichen Leistung bei der Polizei wegen Betrugs. Das sei einfach online möglich.
  • Beschwerde einreichen
    Zusätzlich ist eine Beschwerde bei der Bundesnetzagentur (E-Mail: rufnummernmissbrauch@bnetza.de) ratsam. Wichtig ist dabei: Keine Schlichtung beantragen, sondern Beschwerde einreichen. Sonst werde man aus formalen Gründen abgewiesen.
  • Drittanbietersperre verlangen
    Jeder Mobilfunkanbieter ist verpflichtet, eine sogenannte Drittanbietersperre einzurichten, wenn Kunden das per E-Mail im Online-Kundenbereich, in der Kunden-App oder telefonisch verlangen. Die Sperre hilft den Experten zufolge allerdings offenbar nicht, wenn der Leistungsanbieter selbst eine Mobilfunkfirma ist.


Quelle: DPA/RTL