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Handelsverband plant Umweltabgabe: Plastiktüte soll bald 20 Cent kosten

23. Oktober 2015 - 19:24 Uhr

Handelsverband reicht Entwurf beim Umweltministerium ein

Wer beim Einkaufen eine Plastiktüte haben möchte, muss in Zukunft wohl dafür bezahlen. Ab April 2016 werden die Tüten wahrscheinlich mit mindestens 20 Cent an der Kasse berechnet, berichtet die 'Süddeutsche Zeitung'. Der Handelsverband hat einen entsprechenden Vorschlag beim Bundesumweltministerium eingereicht. Damit erfüllte der Einzelhandel die Forderungen von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD).

Sie hatte gedroht, selbst ein Gesetz auf den Weg zu bringen, wenn der Handelsverband keinen Entwurf vorlegen würde. Mit der Abgabe, über deren genaue Höhe allerdings noch gestritten wird, soll der Verbrauch von Plastiktüten in Deutschland reduziert werden.

Plastiktüten stehen in der Kritik, weil sie sich in der Natur praktisch nicht zersetzen und häufig einfach in den Meeren landen. Dort stellen sie vor allem eine Gefahr für Fische oder Seevögel dar, die sich darin verheddern oder den Plastikmüll fressen, weil sie ihn für Futter halten. Zahlreiche Tiere ersticken oder verenden auf diese Weise.

EU sagt den Plastiktüten den Kampf an

Umweltabgabe für Plastiktüten
Damit die Deutschen weniger Plastiktüten verbrauchen, sollen diese bald etwas kosten.
© dpa, Daniel Reinhardt

Bisher hatten sich viele Einzelhändler gegen eine Gebühr für Plastiktüten gewehrt. Vor allem Textilgeschäfte stünden bei dem Thema vor ganz anderen Problemen als etwa der Lebensmittelhandel, erklärte Jürgen Dax vom Bundesverband des deutschen Textileinzelhandels. Textilien könne man eben nicht "in den Einkaufskorb stecken zwischen Zwiebeln und Kartoffeln", erklärte er. Die Plastiktüten seien für viele Geschäfte zudem ein wichtiges Marketinginstrument. Weniger Plastiktüten bedeuten auch weniger Werbefläche.

Vielen Umweltschützern hingegen geht der Entwurf des Handelsverbandes nicht weit genug. Ausgenommen von der Regelung sind nicht nur kleinere und dünnere Plastiktüten, die häufig an Obsttheken angeboten werden, auch in Tankstellen, Bäckereien und Apotheken könnte es weiterhin kostenlose Tüten geben, so die 'Süddeutsche Zeitung'. Denn diese Geschäfte würden nicht vom Handelsverband vertreten.

Rolf Buschmann, Referent für technischen Umweltschutz beim BUND, sagte der Zeitung, dass eine generelle Umweltabgabe für Einwegverpackungen sinnvoller wäre. Sonst könnten Einzelhändler die umweltschädlichen Plastiktüten einfach durch Papiertüten ersetzen, die zwar weniger Umweltverschmutzung verursachen, die aber durch ihre Herstellung häufig eine noch schlechtere Umweltbilanz haben.

Hintergrund der Einführung einer Gebühr für Plastiktüten ist ein Beschluss der EU. Die Mitgliedsstaaten sollen sich nationale Ziele zur Vermeidung von Plastiktüten setzen. Mit diesem Vorstoß will die EU den pro Kopf Verbrauch pro Jahr bis 2019 auf 90 und bis 2025 auf 40 Tüten senken. Deutschland steht im europäischen Vergleich bereits jetzt relativ gut da.

Hierzulande verbraucht ein Bürger rund 71 Tüten im Jahr. Damit liegt die Bundesrepublik deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 198 Plastiktüten pro Kopf und Jahr. In Bulgarien kommt ein Bürger laut Statistik sogar auf 421 Plastiktüten. Dass es auch besser geht, zeigt Irland. Hier werden pro Person nur 18 Tüten pro Jahr verwendet.

In Ruanda gibt es ein Plastiktütenverbot, genau wie in Bangladesch und in Tansania. Auf der zu Tansania gehörenden Insel Sansibar drohen sogar 2.000 Dollar Strafe, wenn man mit einer Plastiktüte erwischt wird. In Bangladesch und Ruanda war die schwierige Entsorgung der Tüte Grund für das Verbot. Außerdem verstopften die weggeworfenen Plastiktüten in Bangladesch die Abwasserkanäle. Das erhöhte während der Monsunzeit die Gefahr von Überschwemmungen.

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