"Absolut enttäuschend"

Einzelhandel fordert Bundesregierung zur Öffnung ab 8. März auf

Der Einzelhandelsverband fordert die Bundesregierung zur Öffnung aller Geschäfte ab dem 8. März auf
Der Einzelhandelsverband fordert die Bundesregierung zur Öffnung aller Geschäfte ab dem 8. März auf
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02. März 2021 - 18:55 Uhr

Einzelhandelsverband geht auf Bundesregierung los

Der Lockdown geht wohl in die Verlängerung. So zumindest steht es im Vorschlag der Bundesregierung für den Bund-Länder-Gipfel. Zwar sollen gewisse Geschäfte und Kultureinrichtungen schrittweise wieder öffnen dürfen. Dem Einzelhandelsverband HDE geht das aber nicht weit genug. In einer öffentlichen Stellungnahme fordert der Verband nicht nur eine Öffnung aller Geschäfte, man wirft der Bundesregierung auch vor, den Einzelhandel bewusst zu schädigen. "Der jetzt bekannt gewordene Entwurf ist mit Blick auf den Einzelhandel absolut enttäuschend", schreibt der HDE in seiner Stellungsnahme.

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"Alle Geschäfte müssen am 8. März wieder öffnen dürfen"

"Alle Geschäfte müssen auf der Basis der funktionierenden Hygienekonzepte am 8.März wieder öffnen dürfen, auch bei einer Inzidenz von über 35 oder 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern." Das ist eine von drei zentralen Forderungen, die der Einzelhandelsverband an die Bundesregierung stellt. Das Einkaufen im Supermarkt habe "millionenfach Tag für Tag" bewiesen, dass von den Geschäften keine Infektionsgefahr ausgehe, argumentiert der HDE. Auch das RKI stufe die Gefahr als gering ein.

SPD-Gesundheitsexperte und Merkel-Berater Karl Lauterbach hält solch umfangreiche Öffnungen aber für keine gute Idee. "Derzeit sind keine Lockerungen möglich. Die einzigen Lockerungen, die man vorbereiten kann, sind die, wo bspw. der Einzelhandel für diejenigen öffnet, die getestet wurden", sagte Lauterbach im RTL-Interview. Im Klartext: Kunden dürften nur vereinzelt einkaufen gehen. Ansonsten gilt weiter das Konzept "Click and Meet", also Einkaufen nur mit vorheriger Terminvereinbarung.

HDE: "Click and Meet" nicht für alle geeignet

Das aber kritisiert der Handelsverband als unzureichend. "Die vorgeschlagenen Click&Meet-Angebote sind keine Öffnungsstrategie für den gesamten Einzelhandel. Die Personal- und Betriebskosten für diese Angebote sind für die allermeisten Geschäfte höher als die Umsätze", schreibt der Verband in seiner Erklärung. Im Falle von verpflichtenden Tests müssten die außerdem vom Staat getragen werden. Eine Forderung, die auf Jens Spahns Ankündigung aufbaut, dass jeder Deutsche schnellstmöglich 1-2 mal pro Woche gestestet werden soll.

SPD-Politiker Lauterbach hingegen schätzt sie zum jetzigen Zeitpunkt als unrealistisch ein. Für weitreichende Öffnungen fehlten schlicht ausreichend Testmöglichkeiten, sagte er im RTL-Interview.

Braun und Merkel verteidigen Lockdown-Verlängerung

Auch Kanzleramtsminister Helge Braun und Bundeskanzlerin Angela Merkel warnen nach RTL-Informationen vor zu schnellen Öffnungen. Merkel sagte in der Fraktionssitzung der Union, der Anteil der Mutationsinfektionen in Deutschland liege aktuell bei 50 Prozent. Braun verwies auf die Situation im Ausland, die gezeigt habe, wohin zu schnelle Lockerungen führen könnten. In Österreich waren die Zahlen innerhalb der vergangenen zwei Wochen wieder sprunghaft angestiegen, nachdem die Bundesregierung umfangreiche Lockerungen beschlossen hatte.

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