2019 M01 11 - 13:13 Uhr

"Jeder muss sehen, wie er die Mannschaft unterstützt"

Vor dem souveränen 30:19-WM-Auftaktsieg gegen Korea war es DAS Thema rund um die Handball-Nationalmannschaft - und auch nach der Partie wurde es heiß diskutiert. Rechtsaußen Tobias Reichmann hatte nach seiner Nicht-Nominierung mit einem Wut-Posting samt Spontanurlaub Alarm beim DHB ausgelöst. Jetzt hat Bundestrainer Christian Prokop auf den Vorfall reagiert.

Frustreaktion nach Nicht-Nominierung

Der Coach zeigte sich über den spontanen Urlaubstrip des Rechtsaußen "verwundert". "Sicher steckt da auch ein bisschen Frust drin. Jeder muss aber selber sehen, was er für ein Zeichen setzt und wie er die Mannschaft unterstützt", sagte Prokop. Reichmann hatte wenige Stunden vor dem Eröffnungsspiel mit bissigen Kommentaren für Wirbel gesorgt.

Der Europameister von 2016 schrieb auf dem Weg zu seinem spontanen Kurzurlaub nach Orlando auf Instagram: "Ich bin dann mal weg. Wieso, weiß ich gar nicht genau...Ahhh, doch...Spontanurlaub." Dazu postete der Rechtsaußen des Bundesligisten MT Melsungen ein Bild von sich, versehen mit dem Hashtag "sorrynotsorry". Ein weiteres Selfie vor seinem Abflug kommentierte Reichmann mit der Botschaft "Tschausen ihr Banausen".​

Handball Halle/Westf. 06.05.2017 Länderspiel EM Qualifikation Deutschland (GER) - Slowenien (SLO) Christian Prokop (Deutschland, Trainer) Tobias Reichmann (Deutschland, No.09)
Bundestrainer Prokop kann die Reaktionen von Tobias Reichmann nicht wirklich nachvollziehen
© imago/Camera 4, Tilo Wiedensohler, imago sportfotodienst

Prokop steckt nun im Dilemma. Im Turnierverlauf kann er drei Spieler nachnominieren. In seinem 16er-Kader steht in Patrick Groetzki nur ein Rechtsaußen zur Verfügung. Fällt dieser aus, ist der Bundestrainer eigentlich auf Reichmann angewiesen. Auf der anderen Seite dürfte Prokops Autorität leiden, wenn er Reichmann trotz seiner Flucht und offenen Kritik ins Team zurückholt.

DHB-Vizepräsident Bob Hanning zeigte unterdessen ein Stück weit Verständnis für Reichmanns Verhalten und dessen Wut. "Tobi wollte einmal ganz raus und abschalten. Die Enttäuschung bei ihm ist riesengroß."