Ex-Kollegen packen über Tobias R. aus

Hanauer Todesschütze fiel im Job als Rassist auf

Der mutmaßliche Todesschütze von Hanau
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21. Februar 2020 - 16:35 Uhr

"Soziale Kompetenzen lagen bei Null"

Nach außen führte der Terrorschütze von Hanau, Tobias R., ein normales und unauffälliges Leben - doch nur auf den ersten Blick. Jetzt melden sich ehemalige Kollegen zu Wort, die ihn ganz anders erlebt haben wollen. Ganz offen soll sich der 43-Jährige am Arbeitsplatz rassistisch geäußert haben. Hier sprach er über die AfD und schimpfte auf die deutsche Nationalmannschaft. Das DFB-Team, so beklagte der spätere Killer, bestünde nur aus Ausländern. Im Kollegenkreis war Tobias R. unbeliebt – er habe kein Interesse an anderen gezeigt, erinnern sich ehemalige Mitarbeiter.

Die AfD war Tobias R. angeblich nicht radikal genug

Bis 2001 arbeitete Tobias R. als Kundenberater bei einem Finanzdienstleister in Rheinland-Pfalz. Nach Recherchen des Nachrichtenmagazins Spiegel wurde ihm dort gekündig. Aus dem Umfeld des Unternehmens heißt es, er habe als Berater nicht getaugt. Einen neuen Job fand der mutmaßliche Amokschütze schließlich in München – wieder als Kundenberater. Hier konnten Reporter vom Spiegel mit ehemaligen Kollegen sprechen. Am neuen Arbeitsplatz machte der spätere Attentäter von Hanau aus seinen radikalen Ansichten offenbar keinen Hehl: Schon vor Jahren, so erinnern sich Arbeitskollegen, fiel Tobias R. als Rassist auf. "Die AfD war ihm nicht radikal genug", erninnert sich einer. Über die Nationalmannschaft soll er gesagt haben, das Team bestehe nur aus Ausländern und sei deshalb nicht "seine" Mannschaft.

Ein Außenseiter in der Firma

Beruflich galt R. als "Arbeitstier", er schuftete offenbar bis zu zwölf Stunden am Tag. Einmal sei er sogar in den Zwangsurlaub geschickt worden, "um runterzukommen", erzählen ehemalige Kollegen. Tobias R. fiel mit unglaublichem Ehrgeiz auf. Mitarbeiter beschreiben ihn als Wettkampftypen, der selbst Tischtennis-Matches im Büro ernst genommen habe. "Die Zahlen stimmten, nur im kollegialen Bereich ging nicht viel."