Hanauer OB: Corona verhindert kollektive Trauerarbeit

Claus Kaminsky (SPD), Oberbürgermeister von Hanau. Foto: Andreas Arnold/dpa/Archivbild
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02. April 2020 - 18:10 Uhr

Hanau kann in der Corona-Krise keine angemessene kollektive Trauerarbeit nach dem Anschlag vom 19. Februar leisten. "Wir sind von einer Extremsituation direkt in die nächste gefallen. Auch wenn die Corona-Pandemie eine weltweite Krise ist, sind wir Teil davon, und die aktuellen Probleme überlagern alles andere in unserer Stadt", sagte Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) in einer Mitteilung vom Donnerstag. Das Kontaktverbot bedeute für die trauernden Familienangehörigen und Freunde der Opfer eine kaum nachzufühlende Herausforderung.

"Die Familien der Getöteten werden davon ungleich härter getroffen, denn ihnen fehlt jetzt die Chance des kollektiven Trauerns und damit der Trost, der sich aus körperlicher Nähe und persönlicher Anteilnahme ergibt", sagte Kaminsky weiter. In Hanau waren neun Menschen mit ausländischen Wurzeln Opfer eines rassistisch motivierten Anschlags geworden. Danach tötete ein 43 Jahre alter Sportschütze seine Mutter und sich selbst.

Vertagt werden musste eine für April angesetzte Sitzung mit den Angehörigen der Opfer, bei der über eine Gedenkstätte gesprochen werden sollte. Mit Mahnwachen, Trauermärschen und diversen Kundgebungen gegen Rassismus hatte die Stadt in den Tagen danach auf die Tat reagiert. Wegen der Pandemie legen derzeit nur einzelne Menschen Blumen am Brüder-Grimm-Denkmal nieder oder halten für einige Minuten inne.

Quelle: DPA