Hamsterkäufe, Klopapier-Rangelei und pampige Kommentare

„Unsolidarisches Arschloch“: Kassiererin macht Ansage an Kunden im Corona-Wahn

Wenn es um Toilettenpapier geht, sind manche Kunden inzwischen völlig von der Rolle.
© ZB, Hendrik Schmidt, hsc

23. Juni 2020 - 15:12 Uhr

"Eine Schande für unsere Gesellschaft"

Seit zwölf Jahren arbeitet Farina Kerekes im Einzelhandel. Doch so etwas wie in den vergangenen zwei Wochen hat sie noch nicht erlebt. Kunden reißen sich Klopapier und Desinfektionsmittel aus den Händen, husten sie an und beschimpfen sie. Auf Twitter macht die 30-Jährige aus dem Ruhrgebiet ihrem Ärger Luft.

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Die Situation: Total crazy

Ein Blatt mit der Aufschrift "Aus gegebenem Anlass können wir an jeden Haushalt nur 1 Packung Toilettenpapier abgeben."
In vielen Supermärkten und Drogerien wird nur noch eine Packung Toilettenpapier pro Kunde ausgegeben.
© dpa, Tom Weller, twr kno

"Ich arbeite im Einzelhandel und was da gerade wegen Corona abgeht, ist eine Schande für unsere Gesellschaft", beginnt sie ihre Botschaft. Ihre Kollegen und sie selbst kommen mit dem Auffüllen der Regale nicht mehr nach und müssen Überstunden machen. Dabei reicht die Versorgung mit Waren aus. Das Problem sind die Hamsterkäufe. "Würde jeder einfach seine normalen Besorgungen weitermachen wie gehabt, gäbe es kein Problem", so Kerekes. Und fährt fort: "Deswegen fragt euch: 'Bin ich gerade das unsolidarische Arschloch, das 3 Packungen Klopapier kauft, obwohl auch eine Packung reichen würde?'"

Im "Tagesspiegel" erzählt sie, wie es bei einer Warenlieferung zugeht: "Das Toilettenpapier rissen sie uns nur so von den Palletten - inklusive Rangeleien untereinander - und die gerade mal zwölf kleinen Packungen Desinfektionsmittel, die wir geliefert bekommen haben, waren nach Minuten ausverkauft, bevor wir überhaupt die Chance hatten, jemandem den Weg dorthin zu weisen. Total crazy."

Finger ablecken und dann den Fünf-Euro-Schein reichen

Dass Kunden nicht "Danke" oder "Bitte" sagen, sei sie mittlerweile gewohnt. Doch seit der Corona-Pandemie habe das Ganze eine neue Dimension. Erklärt Kerekes, dass Waren nur in haushaltsüblichen Mengen eingekauft werden dürfen, werde sie beschimpft. "Es sei lächerlich oder unmöglich oder schlimmeres ... Das sind Erwachsene. Ich muss denen doch nicht beibringen, wie man teilt", so die Verkäuferin.

Auch das unachtsame Verhalten der Kunden ärgert sie. Kerekes und ihre Kolleginnen haben keine Wahl, wenn sie an der Kasse sitzen. Sie können nicht von zuhause arbeiten und auch keine zwei Meter Sicherheitsabstand einhalten. "Immer noch gibt es genug Kunden, die mir ins Gesicht husten oder ihre Finger ablecken um mir dann den Fünf-Euro Schein zu geben. Das war auch schon vor dem Ausbruch von Corona scheiße", schreibt sie auf Twitter.

"Hustet verdammt noch mal in eure Armbeuge"

Im Video oben verraten Helden des Alltags, wie sie die Corona-Krise erleben.

Kunden seien wütend darüber, dass kein Desinfektionsmittel mehr da sei, würden ihr aber im nächsten Augenblick die nackte Hand mit dem Geldschein reichen, in die sie gerade noch geniest hätten. "Ich fand das schon früher schwierig, aber jetzt erlaube ich mir, die Leute darauf aufmerksam zu machen", sagte Kerekes dem "Tagesspiegel".

Sie schließt mit einem Appell: "Entspannt euch, seid nett zu dem Personal, das gerade arbeiten MUSS, egal ob im Einzelhandel oder im medizinischen Bereich oder woanders. Und hustet verdammt noch mal in eure Armbeuge."

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