Hamilton und das aufgepumpte Ego: "Ich bin der Weltmeister"

Lewis Hamilton ist in Monaco nach seiner Vertragsunterschrift bester Laune
Lewis Hamilton ist in Monaco nach seiner Vertragsunterschrift bester Laune
© imago/HochZwei, imago sportfotodienst

21. Mai 2015 - 14:44 Uhr

Aus Monaco berichtet Daniel Grochow

Lange hat die Formel-1-Welt darauf gewartet, jetzt hat Lewis Hamilton seinen Vertrag endlich verlängert - und sein ohnehin schon großes Ego noch mehr aufgepumpt. "Ich bin der Weltmeister", so lautet die Botschaft an all jene, die es vergessen haben sollten. Während Mercedes-Teamchef Toto Wolff den mehr als 100 Millionen Euro schweren Vertrag rechtfertigt, wird der Lebensstil des Briten in seiner Heimat kritisiert. Einzig, und allein: Hamilton interessiert das herzlich wenig.

Das Fahrerlager in Monaco kam gerade erst zum Erwachen, als am Mittwochmorgen die Meldung des Tages durchsickerte: Weltmeister Lewis Hamilton hat seinen Vertrag bei Mercedes verlängert. Weil ihm das Arbeitspapier über die Laufzeit von drei Jahren angeblich mehr als 100 Millionen Euro zusichert, hat der Brite nun McLaren-Mann Fernando Alonso als bisher bestbezahlten Fahrer im F1-Zirkurs abgelöst. Toto Wolff, Teamchef von Mercedes, rechtfertigt die exorbitant hohe Summe mit Verweis auf die Qualitäten seines Schützlings: "Für einen Fahrer ist das eine Größenordnung, die honoriert, dass er ein außergewöhnlicher Pilot und eine außergewöhnliche Persönlichkeit mit all seinen Ecken und Kanten ist."

Als Hamilton kurze Zeit später zum RTL-Interview auf der Dachterrasse des Mercedes-Motorhomes erscheint, wird schnell klar, was Wolff meint, wenn er von "Ecken und Kanten" spricht. Die Brillanten an der Kette strahlen mit denen in den Ohrsteckern wieder einmal um die Wette, dazu wird heute eine vergoldete Sonnenbrille getragen - Hamilton hat sich nach Bekanntgabe der Verlängerung seines Vertrages besonders herausgeputzt. Dabei, so sagt er, sei er "nicht annähernd so ausgelassen, wie es die Leute von ihm hier erwarten. Für mich war doch schon seit Wochen klar, dass ich bei Mercedes bleibe".

Dass es trotzdem so lange gedauert hat, bis die Tinte trocken war, hat einerseits daran gelegen, dass der Brite seit dieser Saison sein eigener Manager ist. "Ich bin jetzt mein eigener Chef und treffe die Entscheidungen auf meine Weise", so Hamilton, der aber auch hartnäckig um die Millionen gekämpft haben soll - das große Ego macht es möglich. Der Brite ist wie kein anderer Fahrer im Feld von seinen Fähigkeiten überzeugt, und spricht das auch ganz offen aus: "Ich bin Weltmeister, ich weiß, was ich tue."

Kritik von Hill lässt Hamilton kalt

Hamilton und das aufgepumpte Ego: "Ich bin der Weltmeister"
Damon Hill hat seinen Landsmann kritisiert
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Hamiltons Brust ist mittlerweile so breit, man wundert sich schon fast, dass er noch in das Cockpit seines Silberpfeils passt. Selbstzweifel scheinen schlichtweg nicht vorhanden, kritische Töne wie die von Damon Hill sind Hamilton herzlich egal. Hills Vermutung, sein Landsmann habe das Rennen in Barcelona möglicherweise nicht gewonnen, weil er aufgrund seines ausschweifenden Privatlebens zu unkonzentriert gewesen sei, kommentierte der Mercedes-Star lapidar: "Er ist im Unrecht, aber das perlt sowieso an mir ab. Ich weiß, was ich geleistet habe. Auch in Barcelona habe ich mein Bestes gegeben, bin gut gefahren. Was ich die Wochen davor getan habe, hat absolut null Einfluss auf meine Leistung."

Genauso sieht es auch Wolff, der seinem Fahrer nicht vorschreiben werde, wie er sein Leben zu führen hat. Wenn Hamilton wie vor dem Spanien-GP zu Dreharbeiten nach Italien und zum Box-Kampf zwischen Floyd Mayweather und Manny Pacquiao nach Las Vegas reist, sei das seine Sache. "Wir haben uns als Team darauf eingestellt und geben Lewis diese Freiheiten. Solange er die Ergebnisse auf der Strecke abliefert, gibt es auch überhaupt keinen Grund, hier den Oberlehrer zu spielen."

Vielleicht weiß Wolff aber auch, dass sich Hamilton schon lange nichts mehr sagen lässt. Nach dem Gewinn seines zweiten WM-Titels in der vergangenen Saison und der Unterschrift unter den neuen Mega-Vertrag wähnt sich der Mercedes-Pilot scheinbar als unantastbar - was allerdings nicht auf der Strecke gilt. Den Glamour-GP in Monaco hat Hamilton seit 2008 nicht mehr gewonnen, vergangene Saison triumphierte Teamkollege Nico Rosberg, auch wegen eines laut Hamilton schmutzigen Tricks im Qualifying. Damals löste Rosberg, der zu dem Zeitpunkt auf Pole-Kurs lag, mit einem Verbremser auf der letzten Runde eine Gelbe Flagge aus und verhinderte so, dass sein ärgster Konkurrent die Zeit noch unterbieten konnte.

Ob er sich noch an die Sache erinnert und an diesem Wochenende mit Wut im Bauch fahren werde, fragen wir Hamilton, der uns ganz trocken antwortet: "Ich bin hier, um das Rennen zu gewinnen, und nicht, um darüber zu diskutieren, was im letzten Jahr passiert ist. Ich bin der Champion. Das ist der Grund, warum ich jetzt hier sitze und lächeln kann." Er weiß eben, was er kann, dieser mehr als nur selbstbewusste Titelverteidiger, der sich für die nächsten drei Jahre mit Mercedes vorgenommen habe, noch "mehr zu wachsen und noch besser zu werden". Eine Frage darf da erlaubt sein: Geht das überhaupt noch, Herr Hamilton?