Hamelner Gewaltopfer wartet immer noch auf Schmerzensgeld

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David Ebener/dpa/Symbolbild
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29. Mai 2020 - 7:20 Uhr

Knapp drei Jahre nach der Verurteilung ihres Ex-Mannes wegen Mordversuchs wartet das Gewaltopfer Kader K. aus Hameln immer noch auf das Schmerzensgeld. Das Warten mache sie wütend, aber schlimmer noch seien ihre gesundheitlichen Probleme, sagte die 31-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Ende 2016 hatte ihr Ex-Partner versucht, sie mit Messerstichen und Axthieben zu töten. Anschließend schleifte er sie mit einem an der Anhängerkupplung befestigten Seil um den Hals hinter seinem Auto her.

"Seit September bekomme ich auch Panikattacken", berichtete die Mutter eines heute sechsjährigen Sohnes, der während der Tat auf dem Rücksitz des Autos gesessen hatte. "Ich kann nicht Auto fahren, selbst beim Fahrradfahren kriege ich Angst. Es ist die Geschwindigkeit."

Der heute 42 Jahre alte Täter war am 31. Mai 2017 zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Strafmildernd wertete das Landgericht Hannover sein Geständnis sowie seine Bereitschaft zur Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 137.000 Euro an das Opfer. Allerdings erhielt K. bisher nur das Auto des Mannes, das die Staatsanwaltschaft Anfang 2018 freigab. Der angekündigte Verkauf des Hauses des Täters in Eimbeckhausen bei Bad Münder verzögert sich. Es gebe Interessenten, aber nicht einmal ein Gutachter habe das Haus betreten können, sagte der Opfer-Anwalt Roman von Alvensleben. Der Jurist hofft auf einen Termin für eine Zwangsversteigerung in diesem Jahr.

Dem Mordversuch waren Gewalt in der Beziehung, die Trennung der regelmäßig geschlagenen und gedemütigten Frau und ein Streit um Unterhaltszahlungen vorausgegangen. K. überlebte den Anschlag nur, weil sich das Seil nach etwa 200 Metern löste und ein Passant sofort Erste Hilfe leistete. Kraft gebe ihr heute ihre Familie, sagte sie. Ohne die Unterstützung ihrer Mutter und von Verwandten könne sie den Alltag nicht bewältigen.

Quelle: DPA