2018 M10 15 - 15:47 Uhr

Kita-Suche will wohlüberlegt sein

Bevor Eltern ihr Kind zum ersten Mal in die neue Kita geben, ist eine Menge Recherche angesagt. Schließlich will man sich ausführlich informieren, wo, wie und von wem der kleine Liebling betreut wird. Doch ein Satz im Konzept der Tagesstätte Rabenhorst im Hamburger Stadtteil Wellingsbüttel ließ ein Paar auf der Suche nach einem Kita-Platz stocken.

Besonders idyllisch im Villenviertel gelegen

Gerade vor dem Hintergrund, dass unser Team Wallraff kürzlich mit versteckter Kamera unfassbare Zustände in einer Kita des Deutschen Roten Kreuzes aufdeckte, sollten Eltern sich ganz besonders viel Mühe dabei geben, einen guten Betreuungsort für ihre Kinder zu finden. Die Kita Rabenhorst wirkt auf den ersten Blick wie der perfekte Kandidat. Wunderschön in einem grünen Villenviertel gelegen, mit Kaminzimmer und einer ausführlichen, 30-seitigen Broschüre, in der das Konzept vorgestellt wird - und die Klientel.

"Viele Familien leben in eigenen Häusern, Reihenhäusern oder Villen"

Wie ein Paar auf Kita-Suche, das lieber anonym bleiben möchte, der "Hamburger Morgenpost" gegenüber verrät, wurde noch vor den pädagogischen Zielen der Einrichtung davon berichtet, dass die Eltern im Stadtteil gut bis sehr gut betucht seien. "Ein Großteil der Eltern geht einer selbstständigen Tätigkeit nach, etwa als Rechtsanwälte, Ärzte, Organisationsberater, Makler, Geschäftsinhaber", heißt es darin zum Beispiel. "Viele Familien leben in eigenen Häusern, Reihenhäusern oder Villen." Und dann der Satz, der das Paar so stutzig gemacht hat: "Von den Familien mit Migrationshintergrund nehmen nur wenige unsere Betreuung in Anspruch." Diese Passage ist zudem mit einem blonden, blauäugigen Jungen bebildert worden.

Eltern suchen eine andere Kita

"Warum erwähnen die das überhaupt? Die wollen doch offenbar damit werben, dass sie keine Migrantenkinder in den Gruppen haben", beschweren sich die Eltern. Inzwischen hat sich auch Katrin Geyer, Sprecherin des städtischen Kita-Trägers Elbkinder, zu der unglaublichen Aussage im Kita-Konzept geäußert: "Die Kita wollte die Sozialstruktur des Stadtteils beschreiben, hat dafür aber tatsächlich eine missverständliche Formulierung gewählt."

Der Satz wurde der "Hamburger Morgenpost" zufolge aus der Broschüre gestrichen. Die Eltern suchen jedoch lieber weiter. "Wir geben unser Kind trotzdem nicht in eine Kita, die stolz darauf ist, keine Kinder mit Migrationshintergrund zu haben."