Prozessauftakt in Hamburg: Stiefvater von totgeschütteltem Baby Tayler vor Gericht

Im vergangenem Dezember wurde der kleine Tayler zu Tode geschüttelt.
Im vergangenem Dezember wurde der kleine Tayler zu Tode geschüttelt.
© dpa, Axel Heimken

12. September 2016 - 11:28 Uhr

Bereits vor seinem Tod gab es Hinweise auf Misshandlungen

Ein dreiviertel Jahr nach dem Tod des kleinen Tayler beginnt in Hamburg der Prozess gegen den Lebensgefährten der Mutter des Kindes. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 27-jährigen Mann Totschlag vor. Er soll den einjährigen Jungen im Dezember vergangenen Jahres in der gemeinsamen Wohnung im Stadtteil Altona-Nord heftig geschüttelt haben. Dabei erlitt das Baby schwerste Hirnverletzungen, an denen es sieben Tage später im Krankenhaus starb.

Zunächst war sowohl gegen die Mutter als auch ihren Freund ermittelt worden. Nachdem Rechtsmediziner den Tatzeitpunkt genauer eingrenzen konnten, wurde der 27-Jährige im April verhaftet und das Verfahren gegen die Mutter eingestellt. Das Kind stand unter der Betreuung des Jugendamts Altona. Die Jugendhilfeinspektion warf dem Amt in einem Bericht schwere Versäumnisse vor. Auch Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) äußerte sich kritisch. Tayler war bereits im Alter von acht Monaten wegen eines Schlüsselbeinbruchs ins Krankenhaus und danach in eine Pflegefamilie gekommen.

Obwohl die Umstände der Verletzungen nicht geklärt waren, war das Kind schon Anfang Oktober an die 23-jährige Mutter zurückgegeben worden, ohne weitere Überprüfungen. Die Bürgerschaft will eine Enquete-Kommission einrichten, die sich mit diesem und zwei ähnlichen Fällen in Hamburg befassen soll.