Aus Linienbus wird rollendes Badezimmer

In Hamburg startet der erste Duschbus für Obdachlose

6. Dezember 2019 - 18:50 Uhr

Obdachlosigkeit: Waschen ist Würde

Für die meisten ist es Selbstverständlichkeiten, morgens zu duschen und frische Sachen anzuziehen. Für viele Obdachlose ist das allerdings schwierig, sie haben kaum Zugang zu solchen sanitären Anlagen.

3.500 Menschen spenden für den Duschbus

Waschen sei aber Würde, sagt der ehemalige obdachlose Hamburger Dominik Bloh und ist stolz auf den ersten mobilen Duschbus für Obdachlose, der nun auf Hamburgs Straßen unterwegs ist: "Man sieht einfach, was man schaffen kann und das Ideen in einem Kopf nicht nur einfach Hirngespinste sein können, sondern auch ganz real werden und das es auch noch etwas ist, was anderen Menschen helfen kann."

Zusammen mit Helfern startete Bloh eine Crowdfunding Kampagne. GoBanyo nennt sich die Initiative, die über die Plattform Startnext von 3.500 Menschen aus ganz Deutschland insgesamt 168.641 Euro gesammelt hat. Wie so ein Duschbus aussieht und welchen Komfort er den Obdachlosen bietet, sehen Sie im Video

Aus einem Linienbus wird das rollende Bad für Obdachlose

Für Obdachlose: Hamburgs erster Duschbus mit drei Bädern
Hamburgs erster Duschbus mit drei Bädern
© rtl.de

20 Quadratmeter Platz bietet der ausgediente Bus der Hamburger Hochbahn jetzt für drei Badezimmer und eine Kleiderkammer, in der saubere und frische Kleidung bereitliegen. Der zwölf Meter lange Wagen soll das Leben der Obdachlosen in Hamburg einfach leichter machen. Denn der Bus bietet nicht nur Duschen, sondern auch WC und Waschbecken mit Spiegel in einem Raum.

„ …wenn du auf der Straße immer dreckig bist, dann hast du irgendwann das Gefühl selber Dreck zu sein“

Erster Duschbus in Hamburg startet
Dominik Bloh hatte die Idee zum Duschbus
© rtl.de

Dominik Bloh hat selbst Jahre auf Hamburgs Straßen gelebt. Er weiß was Menschen ohne Heim und Schutzraum brauchen. "Körper und Geiste gehen immer Hand in Hand und das bedeutet, wenn du auf der Straße immer dreckig bist, dann hast du irgendwann das Gefühl selber Dreck zu sein. Und deswegen ist es so wichtig sich waschen zu können", erklärte Bloh bereits im April, als die Hamburger Hochbahn den ausrangierten Bus dem Start Up-Unternehmen spendete.

Noch auf der Straße lebend kam Dominik Bloh damals schon die Idee für den Duschbus. Heute lebt er wieder in einer Wohnung und hat sogar ein Buch über seine Obdachlosigkeit geschrieben.

Der Duschbus soll eine Alternative zu den bereits bestehenden städtischen sanitären Angeboten sein. Über 20 Duschen für Obdachlose gibt es bereits in Hamburger Tageseinrichtungen. Doch oft können sich Obdachlose nicht überwinden dort hinzugehen.

Extra Dusch-Tag nur für Frauen

"Zum Start werden wir in Hamburg an drei Standorten vier Tage fünf Stunden Duschbetrieb anbieten. Und am Samstag werden wir einen Dusch-Tag nur für obdachlose Frauen einrichten, um diesen nochmal einen extra Schutzraum zu bieten", erklärt Christian Poelmann von der GoBanyo GmbH den Betrieb des Busses.

Ob es weitere Duschmobile geben wird, ist noch unklar. Aber für Dominik Bloh ist mit dem ersten Duschbus in Hamburg ein langer Traum für mehr Menschenwürde in Erfüllung gegangen.