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Missverständnis oder Betrug?

Familie trauert fast 20 Jahre auf dem falschen Friedhof

Eine für eine Bestattung vorbereitete Urne steht auf einem Friedhof. Foto: picture alliance / Nicolas Armer/dpa/Symbolbild
Eine für eine Bestattung vorbereitete Urne steht auf einem Friedhof. Foto: picture alliance / Nicolas Armer/dpa/Symbolbild
© deutsche presse agentur

03. März 2021 - 19:24 Uhr

Grab des Vaters ist eigentlich ganz woanders

Es ist eine unfassbare Geschichte, die Pascal H. aus Hamburg erzählt. Als seine Mutter im Januar diesen Jahres verstirbt, möchte er sie neben seinem bereits 2001 verstorbenen Vater beerdigen. Der ist anonym in einer Urne auf dem Hauptfriedhof Altona bestattet worden – das denkt Pascal H. jedenfalls. Doch als er das Bestattungsinstitut kontaktiert, stellt sich heraus: Hans-Jürgen H. wurde auf einem fast vier Kilometer entfernten anderen Friedhof beigesetzt. Der gilt als besonders preiswert.

Vater wollte nahe seines Lieblingsklubs beerdigt werden

Die Trauerfeier für Hans-Jürgen H. fand 2001 auf dem Hauptfriedhof Altona statt. Der Friedhof liegt direkt neben dem Stadion vom Hamburger SV. Dort wollte der leidenschaftliche Fan seine letzte Ruhe finden. "Es war sein unbedingter Wille dort direkt am Volksparkstadion anonym begraben zu werden, dort wo seine Mutter ebenfalls liegt", so Pascal H. Entsprechend geht die Familie davon aus, dass die Urne dort beigesetzt wird. 20 Jahre lang pilgern sie zu dem Friedhof, um ihrem Vater zu gedenken.

Bestatter ist ratlos

Als im Januar seine Mutter stirbt, will sich Pascal H. wieder an das Bestattungsinstitut von damals wenden. Das gibt es allerdings nicht mehr, 2006 hat ein neuer Inhaber das Geschäft unter leicht abgewandeltem Namen übernommen. Bestatter Silvio H. schaut ins Register und stellt fest, dass Pascals Vater gar nicht auf dem Hauptfriedhof Altona, sondern auf dem vier Kilometer entfernten Mennonitenfriedhof beerdigt ist. Laut eigener Aussage hätte er die Familie auf den Irrtum aufmerksam gemacht. Die ist geschockt! Im Gespräch mit RTL betont der Bestatter, dass die Beisetzung von Hans-Jürgen H, vor seiner Übernahme des Geschäfts gelegen habe. Warum die Familie jahrelang bei einem falschen Friedhof getrauert habe, könne er sich nicht erklären.

Der zweite Schock folgt: Auch die Großmutter wurde auf dem falschen Friedhof beigesetzt

Doch damit nicht genug: Nach weiteren Gesprächen wird klar, dass auch die Großmutter von Pascal H. – lange vor dem Tod des Vaters – auf dem günstigeren Mennonitenfriedhof beigesetzt wurde. "Wir haben überhaupt keinen Bezug zu diesem Friedhof", erzählt Pascal H. verzweifelt. Auch sein Onkel, der damals die Rechnung für die Bestattung bekommen hat, ist sich sicher: Vom Mennonitenfriedhof war nie die Rede. Hat der ehemalige Bestatter die Urnen absichtlich falsch beerdigt, um Geld zu sparen?

Familie erstattet Anzeige

Inzwischen befasst sich auch die Polizei mit dem Fall. Pascal H. und seine Familie haben Anzeige gegen das Beerdigungsinstitut erstattet. Sie fürchten, dass bewusst verschwiegen wurde, dass ihre Liebsten auf einem günstigeren Friedhof beigesetzt wurden. Immerhin konnte die Urne des Vaters inzwischen ausgegraben und umgesetzt werden. So können Hans-Jürgen und seine Frau doch noch ihre letzte Ruhe finden – gleich neben dem Stadion ihres Lieblingsvereins.

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