Nach Messerangriff am Jungfernstieg: Hamburg nimmt Anteil am Tod einer Mutter und ihrer Tochter

Tödliche Messerattacke in Hamburg
Tödliche Messerattacke in Hamburg
© dpa, Christian Charisius, chc gfh

15. April 2018 - 17:31 Uhr

Opfer, die so sinnlos ums Leben kamen

Es ist eine Tat, die die Menschen auch drei Tage später noch tief bewegt. Am Bahnhof Jungfernstieg in Hamburg hat am Donnerstag ein Mann seine Ex-Frau und die gemeinsame, erst einjährige Tochter erstochen. Der kleine Körper des Mädchens erliegt noch am Tatort seinen Verletzungen. Die 34-jährige Mutter stirbt wenig später im Krankenhaus. Der Schock sitzt tief. Hamburger gedenken der Opfer, die so sinnlos ums Leben kamen.

"Ich stehe noch immer unter Schock"

Der Hamburger Bahnhof Jungfernstieg ist ein Durchgangsort. Am Wochenende aber bleiben erneut viele Menschen stehen, verharren schweigend im Getöse der ein- und ausfahrenden S-Bahnen, manche legen Blumen nieder. Eine Frau kniet am Tatort auf dem Bahnsteig nieder und legte eine pinkfarbene Rose zu den vielen anderen Blumen, Kerzen, Stofftieren und Beileidskarten. "Wenn man hier so durchgeht, ist das sehr bedrückend", sagte die Hamburgerin, selbst Mutter von vier Kindern.

Der Betreiber eines Kiosks auf dem Bahnsteig, Kamber Cengiz, berichtete: "Ich stehe noch immer unter Schock. Unfassbar". Und schüttelte den Kopf. Seine Kollegin sei nach der Attacke aus dem Kiosk gerannt, um zu helfen. Er selbst sei hinter dem Tresen geblieben. Menschen hatten sich aus Angst in seinen kleinen Laden geflüchtet. Viele weinten, andere rannten in Richtung der Bahnhofsausgänge. Cengiz sah nach eigenem Bekunden auch den mutmaßlichen Täter wegrennen.

Was trieb den Täter?

Der mutmaßliche Täter aus Niger sitzt in Untersuchungshaft. Er gehörte zu einer Gruppe von Migranten aus Afrika, die in Hamburg 'Lampedusa-Gruppe' genannt wird. Sie verurteilte am Sonntag den "brutalen Akt auf das Schärfste" und sprach den Hinterbliebenen ihr Beileid aus. Der mutmaßliche Täter sei nur bis 2014 Gruppenmitglied gewesen. Dem 33-Jährigen, der 2013 eingereist war, war wegen seiner Vaterschaft eine Aufenthaltserlaubnis bis 2019 erteilt worden.

Der Mann hatte nach Angaben eines Gerichtssprechers mit der Mutter um das Sorgerecht für die kleine Tochter gestritten. Bei einer Anhörung am Tag vor der Tat habe die Familienrichterin deutlich gemacht, dass sie vor dem Hintergrund der familiären Konfliktsituation den Antrag auf gemeinsames Sorgerecht ablehnen werde.

Denn aus den Akten des Amtsgerichts soll hervorgehen, dass der 33-Jährige seine Ex-Freundin bedroht hat. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nana Frombach, berichtete im 'Hamburg Journal' des NDR, dass die Mutter Anfang dieses Jahres deswegen Strafanzeige gegen den Vater gestellt habe. Daraufhin habe die Polizei eine sogenannte Gefährderansprache an den Mann gerichtet. Er habe die Bedrohung nicht ernst gemeint, soll der mutmaßliche Messerstecher damals den Beamten nach Angaben der Staatsanwaltschaft gesagt haben. Beim Hafttermin am vergangenen Freitag hat sich der Beschuldigte nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht geäußert.

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Die getötete Mutter hinterlässt vier Kinder

Zurück am Jungfernstieg: "Das geht ans Herz, weil es ein Kind war", sagte eine Frau aus Barmbek, die Hand ihrer eigenen Tochter fest umklammert. "Für die Geschwister tut's mir leid", fügte sie hinzu. Die getötete Mutter hinterlässt vier Kinder. Der Verein 'Kinder helfen Kindern' der Tageszeitung 'Hamburger Abendblatt' rief zu einer Spendenaktion zu Gunsten der Geschwister auf.