Hamburg: Mann (44) wegen 20 Cent totgeschlagen

09. Dezember 2011 - 15:27 Uhr

Bewährungsstrafe für Täter

Aus Streitsucht soll er mit einem Mittäter einen 44-Jährigen totgeprügelt haben - dafür wurde der 19-jährige Onur K. zu drei Jahren und vier Monaten Jugendstrafe verurteilt. Doch in einem neuen Prozess milderte das Hamburger Landgericht das Urteil jetzt ab: Zwei Jahre auf Bewährung.

Bewährungsstrafe für Täter
Thomas M. wurde wegen 20 Cent totgeschlagen.

Der Angeklagte hatte gemeinsam mit einem jüngeren Mittäter im Juni 2009 Thomas M. nahe des S-Bahnhofs Hamburg-Harburg um 20 Cent angebettelt. Als dieser sich weigerte, prügelten die Jugendlichen auf den Mann ein. Der Dachdecker fiel mit dem Kopf auf die Steine. Anschließend traktierte der jüngere Angeklagte das Opfer mit Tritten gegen Kopf und Oberkörper. Nach Angaben der Gerichtsmedizin starb der Dachdecker an den Folgen des Aufpralls mit dem Hinterkopf.

Der Bundesgerichtshof bestätigte im Juni den Schuldspruch des Landgerichts Hamburg, die Richter kritisierten jedoch die Begründung der Haftstrafe. In dem erneuten Verfahren wurde deshalb nur die Höhe des Strafmaßes neu verhandelt. Mit seinem Urteil blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die auf eine Jugendhaftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten plädiert hatte.

Gerichtssprecher: Kommt auf erzieherische Gesichtspunkte an

Die Eltern von Thomas M., Vera und Werner Janzen, können das Urteil immer noch nicht fassen. "Es war furchtbar. Es war ein Gefühl das kann man keinem wünscht. Es ist so schlimm, dass kann man nicht beschreiben, innerlich zerbricht man", sagt die Mutter. "Ich schlage einen Menschen tot und laufe nachher wieder frei herum. Das geht doch nicht. So kann man doch nicht urteilen", so der Vater fassungslos.

"Im Jugendstrafverfahren kommt es für die Strafhöhe nicht primär auf die Schwere der Tat, sondern auf erzieherische Gesichtspunkte an", erläuterte Gerichtssprecher Conrad Müller-Horn nach dem Urteil. Der 19-Jährige sei seit seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft erwerbstätig und lebe in einer intakten Familie. Das Gericht gehe davon aus, dass die Verurteilung eine ausreichend Warnung für ihn sei, keine weiteren Straftaten zu begehen. Eine Vollstreckung der Jugendstrafe sei deshalb zu diesem Zeitpunkt nach Ansicht der Kammer nicht notwendig, sagte Müller-Horn.