Kündigung wegen Kritik

Pflegerin klagt über miserable Arbeitszustände

02. Februar 2021 - 9:34 Uhr

"Wir sind alle Romana"

Patienten würden teilweise für einen längeren Zeitraum allein gelassen, weil Pflegende von einem Patient zum nächsten hetzten und die Zeit fehle, sich für jeden individuell Zeit zu nehmen. Diesen Zustand beklagt Pflegerin Romana Knezevic kurz vor Weihnachten öffentlich in einer gemeinsamen Online-Konferenz mit Pflegekräften aus insgesamt sechs verschiedenen Krankenhäusern. Und dafür erntet sie saftige Kritik. Ihr Arbeitgeber, die Asklepios Kliniken in Hamburg, spricht ihr die fristlose Kündigung aus. Doch das ist gar nicht so einfach, denn Romana Knezevic ist Mitglied im Bezirksrat und der hat den Kündigungsantrag abgelehnt. Beistand kommt auch von zahlreichen Mitstreiterinnen und Mitstreitern, die vor dem Hamburger Arbeitsgericht zusammengekommen sind, um klar zu machen "Wir sind alle Romana".

Wie sich die Asklepios Klinik zu den Vorwürfen äußert, sehen Sie im Video.

"Wir können uns nicht auf unsere pflegerischen Aufgaben konzentrieren"

31.01.2021, Hamburg: Teilnehmer einer Kundgebung gegen die Kündigung der Asklepios-Beschäftigten Romana K., die über Missstände in den Krankenhäusern während der Corona-Pandemie öffentlich berichtet hatte, stehen auf dem Rathausmarkt und halten ein B
Kundgebung «Solidarität mit Romana!» in Hamburg
© dpa, Daniel Bockwoldt, dbo bsc

Zu wenig Personal, zu viel Arbeit und zu wenig Zeit. Das führe dazu, dass Pflegende ihre Aufgaben nicht mehr ausreichend nachkommen könnten, beklagt Romana Knezevic. "Es ist leider so, dass wir teilweise noch Aufgabenbereiche der Reinigungs- und Servicekräfte übernehmen müssen." So könnten sich die Pflegenden nicht mehr auf ihre pflegerischen Aufgaben konzentrieren. Die öffentliche Schilderung ihrer Wahrnehmung ging den Asklepios Kliniken Hamburg gegen den Strich. Genauso wie der Widerstand des Betriebsrates gegen die Kündigung. Die Kliniken drängen daher vor Gericht auf die Kündigung.

Ein Gespräch soll weiterhelfen

Um Missverständnisse aus der Welt zu räumen, habe man sich am Montag vor dem Arbeitsgericht auf eine gütliche Einigung, also ein Gespräch mit allen Verfahrensbeteiligten, geeinigt. So wolle man für Rechtsfrieden sorgen, erklärt die Anwältin von Asklepios. Ob das auch bedeutet, dass die die Kündigung zurückgezogen wird, werde das Gespräch zeigen. Kommt es zu keiner Einigung, geht der Prozess am 20. Mai weiter.