Sie sollte den Säugling nach der Geburt weggeben

JVA-Insassin in Hamburg darf ihr Baby vorerst behalten

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19. November 2019 - 17:18 Uhr

Entbindung mit Fußfessel

Beinahe hätte eine Untersuchungsgefangene der Justizvollzugsanstalt-Billwerder ihr Baby weggeben müssen. Nun suchen Justizbehörde und Jugendamt nach anderen Möglichkeiten.

JVA in Hamburg lehnt Baby ab

Kurz nach der Geburt ihres Babys am 14. November muss die 22-Jährige bangen, von ihrem Kind getrennt zu werden und es in die Obhut einer Pflegefamilie geben zu müssen. Denn die junge Mutter sitzt wegen mutmaßlichen bandenmäßigen Wohnungseinbruchdiebstahls in Untersuchungshaft. Nach der Geburt muss sie wieder zurück ins Gefängnis und die Anstaltsleitung hält den Aufenthalt mit Baby für ungünstig, obwohl es dort einen Strafhaftbereich für Mütter mit Kindern bis fünf Jahren gibt.

Ist das Wohl des Kindes in Gefahr?

Allerdings müssen die Mütter ihre Kinder dort sehr selbstständig und eigenverantwortlich betreuen. Laut Justizbehörde habe die Anstaltsleitung ein Risiko für das Kindeswohl gesehen und in Frage gestellt, ob die junge Mutter das allein auch schaffe. Auch weil diese nur Französisch spräche, könne die Sprachbarriere für Nachfragen zu groß sein.

Jetzt kann die junge Mutter allerdings aufatmen, sie darf ihr Baby vorerst behalten. Am Montag durfte die 22-Jährige das Krankenhaus verlassen und direkt mit ihrem Säugling in die JVA-Billwerder zurückkehren, um dort in der Teilanstalt für Frauen einen Haftraum mit Wickeltisch und Kinderbett zu beziehen.

Jugendamt Hamburg ist in der Pflicht

"Alle Optionen werden geprüft, damit die beiden zusammen bleiben", sagt Mareyke Frantzen, Pressesprecherin der Justizbehörde. "Allen ist daran gelegen, alles, was geht, möglich zu machen." Deshalb ist nun auch das Hamburger Jugendamt mit in der Pflicht, die junge Mutter in der JVA zu unterstützen.

Wie lange die junge Mutter in Hamburg in Untersuchungshaft bleiben muss und ob es eine bessere Unterbringungsmöglichkeit für Mutter und Kind gibt, ist noch nicht abschließend geklärt.