Erster Gipfeltag in Hamburg von Gewaltexzessen überschattet - Demonstranten versetzten Hamburg ins Chaos

20. Juli 2017 - 11:40 Uhr

Merkel und Steinmeier verurteilen Randale

Eine Explosion der Gewalt von Linksautonomen hat den ersten Tag des G20-Gipfels der großen Wirtschaftsmächte in Hamburg überschattet. Angesichts stundenlanger Krawalle seit Donnerstagabend forderte die Polizei der Hansestadt Verstärkung aus anderen Bundesländern an. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, der gewaltsame Protest sei "nicht zu akzeptieren". Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verurteilte die Ausschreitungen scharf.

21.000 Polizisten im Einsatz

(2nd row L-R) Wife of French President Brigitte Trogneux, French President Emmanuel Macron, US First Lady Melania Trump, US President Donald Trump as German Chancellor Angela Merkel is seen in front during a family photo prior to a concert at the Elb
Gedränge der Ehrengäste vor dem Konzert in der Elbphilharmonie.
© REUTERS, POOL, rkr

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) sagte: "Hochaggressive, gewalttätige Straftäter bringen Sicherheitskräfte in Bedrängnis und fordern unsere offene Gesellschaft in einer Weise heraus, die für niemanden akzeptabel sein kann." Die Krawalle beeinträchtigten den Ablauf des G20-Partnerprogramms. Die Ehefrau von US-Präsident Donald Trump, Melania Trump, saß stundenlang in ihrer Unterkunft an der Außenalster fest und verpasste Termine. Am Abend fuhren die Trumps dann ungehindert - wie die anderen Staats- und Regierungschefs auch - vor der Elbphilharmonie vor.

Den ganzen Tag über gab es friedliche Kundgebungen Tausender Gipfelgegner, aber auch gewaltsame Auseinandersetzungen des linksautonomen Schwarzen Blocks mit der Polizei. Hamburgs Polizeipräsident Ralf Meyer schätzte, dass rund 21.000 Polizisten das G20-Treffen in den Hamburger Messehallen schützen. Er sprach von blinder Gewalt - einige Beamte seien mit Zwillen erheblich verletzt worden. Randalierer zündeten zahlreiche Autos an.

Fragen zu Polizeitaktik und zur Sicherheitsstrategie werden laut

G20: Welcome2Hell Die Demonstration Welcome2Hell gegen den G20-Gipfel 2017 in Hamburg wird nach wenigen Metern von der Polizei gestoppt und mit Wasserwerfern, Schlagstockeinsatz und Pfefferspray aufgelöst. Danach kam es bis spät in der Nacht immer wi
Unschöne Bilder, die um die Welt gehen.
© imago/Christian Mang, Christian Mang, imago stock&people

Bei den Ausschreitungen rund um den G20-Gipfel wurden nach Angaben der Polizei mindestens 160 Beamte verletzt, die Zahl steige aber stetig. 70 Menschen seien festgenommen und 15 in Gewahrsam genommen worden, sagte ein Sprecher. Wegen der Proteste rückte die Hamburger Feuerwehr zu weit mehr als 200 Einsätzen aus. 61 kleinere und größere Feuer wurden gelöscht. Auch viele Demonstranten wurden verletzt, elf von ihnen schwer.

Die Vorfälle werfen Fragen zur Polizeitaktik und zur Sicherheitsstrategie auf. Hat die Polizei die Kontrolle verloren? Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, meinte: "Die Polizei hat die Lage im Griff. Wir sind von bürgerkriegsähnlichen Zuständen weit entfernt." In einer großen Stadt wie Hamburg könne die Polizei nicht jede Straße absichern. Es sei generell schwer, mit großen Polizeieinheiten kleine und bewegliche Gruppen von Autonomen zu verfolgen. Dass Autos oder Mülltonnen angezündet würden oder Scheiben zu Bruch gingen, lasse sich da nicht immer verhindern.

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Hat die Polizei die Eskalation provoziert?

Polizeiexperte Wolfgang Petri glaubt, die Polizei hätte von Anfang an etwas mehr Personal einplanen sollen. "Der Kräftebedarf wurde zu gering angesetzt." Petri war selbst 22 Jahre lang Polizist, 16 davon bei Mobilen Einsatzkommandos, und hat viele Großeinsätze mitgemacht.

Aktivisten und Gipfelgegner, aber auch Politiker der Linken und Grünen werfen der Polizei vor, mit unnötiger Härte die Eskalation erst provoziert zu haben. Sie beklagen, die Polizei habe am Donnerstag die bis dahin friedliche Demonstration 'Welcome to Hell' grundlos angegriffen, überreagiert und dazu beigetragen, dass die Stimmung gekippt sei.

Teilen der Protestler geht es nur um Gewalt

Aufnahmen von gewaltbereiten, die marodierend durch die Stadt ziehen, wahllos Feuer legen, Autos zerstören, Scheiben einwerfen und ihrer Zerstörungswut freien Kauf lassen, erlauben auch andere Schlüsse. Die Art und Weise, aber auch die Ziele und die Schauplätze, an denen es zu Randale kam, haben kaum mit Protest und Kritik zu tun, finden selbst moderate Beobachter. Wenn Kleinwagen zerstört werden und Übergriffe in Vierteln stattfinden, in denen überwiegend Werktätige und Studenten leben, werden sicher nicht jene getroffen, denen die Protestler vorwerfen, zu den materiellen Gewinnern der Globalisierung zu gehören. Hier scheint es ausschließlich um Gewalt zu gehen.