Hamburg im Ausnahmezustand: G20-Treffen von schweren Krawallen überschattet

07. Juli 2017 - 14:30 Uhr

Partnerprogram des G20-Gipfel aus Sicherheitsgründen abgeändert

Der G20-Gipfel beschäftigt sich mit dringenden Problemen der Weltpolitik wie Terrorismus, Klimawandel und Freihandel. Die Bundeskanzlerin begrüßte die Staats- und Regierungschefs sowie die Führung der Europäischen Union in der Hamburger Messe. US-Präsident Donald Trump wird bei dem Treffen im Mittelpunkt stehen - allerdings nur auf politischer Ebene. Schon einen Tag vor dem Treffen verwüsteten Krawalle einige Teile Hamburgs. Die Polizei ist im Dauereinsatz. Die Stadt ist durch Spuren der Verwüstung gekennzeichnet. Das Partnerprogramm für die Eheleute beim G20-Gipfel wurde nun angesichts der angespannten Sicherheitslage abgeändert.

Keine Sicherheitsfreigabe für Melania Trump

German police remove protestors who are blocking a street at a demonstration during the G20 summit in Hamburg, Germany, July 7, 2017. REUTERS/Pawel Kopczynski
Die Polizei geht konsequent gegen die Demonstranten vor.
© REUTERS, PAWEL KOPCZYNSKI, STN

Auch heute ist die Lage in Hamburg erneut eskaliert. Hunderte G20 Gegner versuchten, in die Hochsicherheitszone um den Tagungsort der Staats- und Regierungschefs vorzudringen, um den Ablauf des Gipfels zu stören. Das Programm für die Partner der Gipfel-Teilnehmer mussste aufgrund der kritischen Sicherheitslage geändert werden. Ein geplanter Termin im Klimarechenzentrum wurde durch Vorträge der Experten im Hotel Atlantic ersetzt. 

Die Ehefrau des US-Präsidenten saß stundenlang in ihrer Unterkunft an der Außenalster fest. Die 47-Jährige hatte am Vormittag eine Hafenrundfahrt verpasst. Die Polizei habe ihr keine Sicherheitsfreigabe erteilt, sagte ihre Sprecherin. Melania Trump freue sich auf die Aktivitäten mit den anderen Partnern der Staats- und Regierungschefs. Die First Lady selbst schrieb auf Twitter: "Meine Gedanken sind bei denen, die bei den Protesten in Hamburg verletzt wurden. Ich hoffe, dass alle sicher bleiben." Für Melania Trump gelten schärfere Sicherheitsregeln als für andere Lebens- und Ehepartnern von Politikern.

Polizei "entsetzt über offensichtliche Gewaltbereitschaft"

An verschiedenen Stellen der Stadt wurden Autos angezündet, Demonstranten blockierten einen wichtigen Knotenpunkt im Hamburger Hafen. Zahlreiche Lastwagen stauten sich deswegen auf einer Zufahrt zur Köhlbrandbrücke, die die Elbinsel Wilhelmsburg mit der A7 verbindet. Mehrere Dutzend Demonstranten zündeten zwischen den LKWs bengalische Feuer an. Eine Sitzblockade auf der Schwanenwikbrücke, um die Anfahrt für die Gipfel-Teilnehmer zu behindern, wurde mittlerweile durch die Polizei aufgelöst. Die Stadt Hamburg fordert aufgrund einer "Vielzahl von Straftaten und Gefahren für Leib und Leben" weitere Beamte aus anderen Bundesländern an.

In der Nähe des Hamburger Michels kesselte die Polizei eine Gruppe von rund 200 Demonstranten ein, die zur Gruppe "Block G20 - Colour the red zone" gehören. Das Ziel der Gruppe liegt darin, Zufahrtstraßen zum Gipfel zu blockieren und in die Sicherheitszone zu kommen. Die Gruppierung kündigte einen "massenhaften, öffentlich angekündigten Regelübertritt" an. An den Landungsbrücken setzten sich mehr als 1000 weiß und lila gekleidete Menschen in Bewegung. Laut Augenzeugenberichten ging die Polizei mit Schlagstöcken gegen Teilnehmer vor. Am Berliner Tor liefen mehr als 200 Teilnehmer los, es kam zu Rangeleien zwischen den Demonstranten und der Polizei

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Versammlungsverbot in Teilen der Innenstadt

Ausgebranntes Auto / Verwüstung nach G20 Krawallen 07.07.2017 in Hamburg - Altona. Der G20-Gipfel findet am 07. und 08. Juli 2017 in Hamburg statt. G20-Gipfel: Verwüstung nach G20 Krawallen in Hamburgausgebranntes Car Devastation after G20 Riots 07 0
Ausgebranntes Autos durch Krawalle am Rade des G20 Gipfels.
© imago/Manngold, imago stock&people

Ein Polizeisprecher bezeichnete die Lage als "sehr dynamisch". Polizeihubschrauber kreisen über der Stadt. Außerdem gab es einen Angriff im Stadtteil Altona. Etwa 20 bis 30 vermummte Demonstranten hatten mit Molotowcocktails rund zehn geparkte Autos, darunter drei Polizeiautos, in Brand gesetzt. Das Bezirksamt Altona wurde mit Steinen und Farbbeuteln beworfen.

Das erste G20-Gipfeltreffen in Deutschland wird von etwa 19.000 Polizisten geschützt. Für Freitagabend wurde eine weitere Demonstration unter dem Motto "G20 entern" angekündigt. Ab 6:00 Uhr bis Samstagnachmittag 17:00 Uhr gilt in Teilen der Innenstadt ein Versammlungsverbot. Dann etwa endet das G20-Treffen.

Polizei spricht über 100 verletzten Beamten

Wasserwerfer der Polizei sind am 06.07.2017 im Schanzenviertel in Hamburg im Einsatz.  Am 07. und 08. Juli kommen in der Hansestadt die Regierungschefs der führenden Industrienationen zum G20-Gipfel zusammen. (Wiederholung mit verändertem BIldausschn
Bei den Auseinandersetzungen wurden laut Polizei 159 Beamte verletzt.
© dpa, Bodo Marks, bom hjb

Die Protest-Aktion "Welcome to Hell" am Donnerstagabend endete mit Zusammenstößen zwischen G20-Gegnern und der Polizei. Die Polizei setzte während und nach der Autonomen-Kundgebung Wasserwerfer ein, gewalttätige Demonstranten warfen Flaschen auf die Beamten.

In einigen Straßen der Innenstadt brannten Autos und Barrikaden, Schaufenster wurden eingeschlagen. Die Polizei sprach von mindestens 159 verletzten Beamten, einer der "Welcome to Hell"-Initiatoren von "zahlreichen" Verletzten auf Seiten der Demonstranten.

Etwa 1.000 Vermummte hatten sich nach Angaben der Polizei unter die rund 12.000, überwiegend friedlichen Demonstranten gemischt. Die Beamten stoppten den Zug kurz nach dem Start und setzten Pfefferspray sowie Wasserwerfer ein. Aus den Reihen der Demonstranten flogen Flaschen, Feuerwerk wurde gezündet. Die Menge wurde auseinandergetrieben.

An vielen Orten in der Innenstadt gab es anschließend Scharmützel, kleinere Barrikaden wurden errichtet und angezündet. Die Veranstalter warfen der Polizei ein unverhältnismäßiges Vorgehen vor. Auch das globalisierungskritische Netzwerk 'Attac' verurteilte die Polizei-Strategie.

Auch die Feuerwehr ist im Dauereinsatz

Hamburger Feuerwehr ist wegen der gewalttätigen Proteste seit Donnerstagabend zu 156 Einsätzen ausgerückt. 61 kleinere und größere Feuer wurden gelöscht, teilte die Feuerwehr mit. Am frühen Freitagmorgen hätten 15 Autos in der Elbchaussee teilweise an Hauswänden gebrannt. Ein Übergreifen der Flammen auf angrenzende Wohnhäuser konnte allerdings verhindert werden. Ein gleiches Szenario gab es in der Max-Brauer-Allee, wo ebenfalls Autos brannten. Wie viele Autos in Hamburg insgesamt in Brand gesteckt wurden, konnte die Feuerwehr noch nicht sagen.

Spuren der Verwüstung in Hamburg

Ein Polizeisprecher sagte: "Eine Vermummung in einem Aufzug ist ein Verstoß gegen das Versammlungsgesetz und wird von uns nicht geduldet." Man habe versucht, den "Schwarzen Block" der Linksautonomen von den friedlichen Demonstranten zu trennen - dann hätte die Kundgebung fortgesetzt werden können. Dies sei aber nicht gelungen.

Im Hamburger Schanzenviertel waren am frühen Morgen noch überall Spuren der Verwüstung zu sehen. Bankautomaten wurden demoliert, ganze Straßenzüge mit waren mit Glasscherben und herausgerissenen Pflastersteinen bedeckt. Auch in anderen Stadtteilen gab es Zerstörungen. Die Stadtreinigung begann mit den Aufräumarbeiten. Insagesamt 45 Demonstranten wurden fest-, 12 in Gewahrsam genommen. Alle Straftaten werden konsequent verfolgt, so die Polizei.

Hamburger lassen sich den Humor nicht nehmen

Viele Bewohner der Hansestadt sind sicherlich unangenehm betroffen von den Vorfällen, einige lassen sich die Laune jedoch nicht verderben. Einer von ihnen ist Kevin Schubert, dessen launiger Tweet im Netz auf große Zustimmung stieß. Er veröffentlichte ein Foto mit einem Schild, das signalisieert, dass er einer von den Guten ist. "Ich bin Anwohner und gehe nur kurz zu Edeka. Danke", steht darauf.