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Hamburg: Eltern einer Grundschule entsetzt über rassistisches Schulbuch

Von "Mein Indianerbuch" zu "Mein Anoki-Übungsheft"

Eltern entsetzt über rassistisches Schulbuch

Mein Anoki-Übungsheft vom Klett Verlag
Mein Anoki-Übungsheft vom Klett Verlag
Klett Verlag

Verlag benennt Matheheft um

Eine Mutter äußert in einem Instagram-Post ihr Entsetzen über ein Schulbuch. Auch die Eltern der Hamburger Grundschule Lutterothstraße sehen es als Diskussionanlass, als sie sehen, was ihre Kinder für ein Matheübungsheft mit nach Hause bringen. Der Titel: „Mein Indianerheft“, auf dem Cover: Ein Mitglied der indigenen Bevölkerung – im Sand spielt er mit Stöcken und Steinen. Für die Eltern ist das ganz klar rassistisch. Sie stellen den Klett Verlag an den Pranger. Der reagiert prompt und benennt das Matheheft in „Mein Anoki-Übungsheft“ um. Zuvor hatte das Hamburger Abendblatt berichtet.

Auch das Cover soll jetzt überarbeitet werden

Der Titel des Lernbuches ist bereits geändert, jetzt will der Klett Verlag auch noch das Cover verändern und jegliche Bezüge zur indigenen Bevölkerung austauschen. In einer Pressemeldung äußert der Verlag sich zum Hintergrund: „Mit der Übungsheftreihe „Meine Anoki-Übungshefte“ (alter Name: Meine Indianerhefte) war es nicht unsere Absicht, die Geschichte der indigenen Bevölkerung Amerikas zu ignorieren. Die Reihe erhebt auch nicht den Anspruch, einen umfassenden Überblick oder eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Geschichte der Native Americans geben zu wollen.“ Auch die Hamburger Schulbehörde äußert sich in einem Statement zu dem Fall: „Die Übungen für den Bereich Mathematik sind zeitgemäß, aber warum ein Indianer auf dem Buch abgebildet ist, erschließt sich uns nicht und könnte ein Grund werden, warum Grundschulen von der Bestellung Abstand nehmen. Hier zeigt sich, dass die Schulbuchverlage nur sehr überlegt Visualisierungen in die Produkte einbinden sollten. Wir werden dem Klett-Verlag eine „kritische Anmerkung“ dazu schreiben.“

Verlag räumt Verantwortung ein

„Wir teilen die Ansicht, dass sich Schülerinnen und Schüler heute kritisch mit den Themen (Post)Kolonialismus, Rassismus, Diversität und Migration auseinandersetzen müssen. Dazu gehört auch die Ausbildung eines Bewusstseins für historische (Sprach-)Bilder, die auf kolonialen Weltbildern basieren.“, so der Verlag. Weiter schreibt er: „Als führender Verlag sind wir uns jederzeit unserer Verantwortung und Vorbildfunktion für die Entwicklung von Schulmedien bewusst.“ Der komplette Relaunch des Heftes inklusive geändertem Titel und Cover soll im Januar 2021 mit der Neuauflage sichtbar sein.