Urlaub machen, wo früher Nazis waren

Hamburg: Ehemaliger Nazi-Bunker soll Luxushotel werden

Hamburg: Aus dem ehemaligen Kriegs-Bunker soll ein Luxushotel entstehen.
© Planungsbüro Bunker

25. Oktober 2019 - 11:46 Uhr

Aus Geschichte wird Luxus

Mitten in St. Pauli steht ein großer, grauer Bunker: Im Dritten Reich wurde er als Luftschutzbunker gebaut und war laut Hamburg.com eine der größten Festungen der Nazis. Mittlerweile ist der Bunker zum Zentrum vieler junger Leute und Künstler geworden. Hier finden Partys statt, Konzerte und Kulturprojekte. Jetzt plant die NH Hotel Group, daraus ein Luxushotel zu machen.

Einer von rund 650 verbliebenen Nazi-Bunker in Hamburg

Hamburg galt im Dritten Reich als Stadt der Bunker: Insgesamt wurden 1.051 Stück errichtet - so viele wie sonst nirgendwo in Deutschland. Die riesige, 35 Meter hohe Festung in St. Pauli ist einer der rund 650 Verbliebenen und wurde ursprünglich von Zwangsarbeitern zum Schutz vor den Luftangriffen der Alliierten 1940 gebaut. Mittlerweile ist der Bunker nicht nur ein Veranstaltungsort, sondern gilt auch als Medienzentrum und Arbeitsplatz für viele Künstler. Nach Aussage des NH Hotels sollen weiterhin Räume für Stadtteilkultur, Ausstellungsflächen sowie eine Halle für Sport- und Kulturveranstaltungen erhalten bleiben.

Das zukünftige Luxushotel wird unter dem Namen "nhow" - einer Marke der NH Hotel Group - geführt. Das Projekt wird als "Design- und Lifestylehotel im gehobenen Segment mit öffentlichem Zugang" beschrieben und soll über 136 Zimmer, eine Bar, ein Café und ein Restaurant sowie ein Panoramablick über die Stadt verfügen. Der Vertrag für das Hotel zwischen der NH Hotel Group, dem Vermieter EHP (Erste Hamburger Projektmanagement GmbH) sowie dem Bauherrn, der Matzen Immobilien GmbH & Co. KG, wurde bereits unterzeichnet. Die Eröffnung ist für Mitte 2021 geplant.

Gedenkstätte auf Dachgarten als Highlight des Luxushotels

Laut den Plänen des NH Hotels soll zudem ein fünfstöckiger Dachgarten entstehen und ein begrünter Gehweg. Zusätzlich soll der Bunker zum ersten Mal eine Gedenkstätte für die Opfer des NS-Regimes und des Zweiten Weltkrieges erhalten:

"Uns ist die Geschichte des Bunkers und seine Bedeutung für die Stadt Hamburg bewusst", betont Maarten Markus, Managing Director Northern Europe der NH Hotel Group in einem Statement.

Kritiker befürchten, dass die Bedeutung des Bunkers verloren geht

Nicht jeder freut sich über die Pläne. Viele Kritiker sind der Meinung, dass durch den Bau des Luxushotels die eigentliche Bedeutung des Kriegs-Bunkers verloren gehe. Er solle an die Folgen des Dritten Reichs erinnern.

PR-Sprecher des Umbaus Frank Schulze verteidigte das Projekt in einem Statement: "Einerseits ist der Bunker ein Denkmal für das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte, für Bombennächte und Todesängste. Seit vielen Jahrzehnten ist es aber auch die Heimat von Kultur und Kreativität in einem lebendigen Teil der Stadt."

Viele Bewohner befürworten das Projekt

Laut Schulze kam die Idee von vielen Anwohnern selbst. Viele hätten sich einen "Grünen Bunker" gewünscht, um für das graue Viertel etwas nachhaltig Neues zu schaffen: "Grün statt grau, Park statt Krieg", ergänzt Schulze.