Ausgangssperre

Wer ist dafür, wer ist dagegen?

19. April 2021 - 10:06 Uhr

Kommt die Ausgangssperre bald bundesweit?

In Hamburg gilt sie bereits seit Karfreitag (2. April): Eine nächtliche Ausgangssperre von 21 Uhr bis 5 Uhr. Die einen sind der Meinung, sie sei ein geeignetes Mittel, um die Infektionszahlen in der Corona-Pandemie zu senken. Die anderen sagen: unverhältnismäßig!

Die Bundespolitik diskutierte am Freitag (16. April) über die Ausgangssperre im Bundestag als Teil des neuen Infektionsschutzgesetzes – eine Entscheidung soll erst am Mittwoch (21. April) fallen. Wir schauen auf das Pro und Contra der umstrittenen Coronamaßnahme.

Von "bringt gar nichts" bis "ich bin auf jeden Fall dafür": Wir haben Sie gefragt: Was halten Sie von einer Ausgangssperre? Die Antworten sehen Sie im Video!

Hamburger Regierung klar für Ausgangssperren

Die Hamburger Regierung hat eine klare Position: Ausgangssperren sind wichtig und richtig! Laut der zweiten Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Bündnis 90/Die Grünen) zeige die Maßnahme in der Hansestadt bereits Wirkung: "Wenn man guckt, dass wir aktuell unter dem Bundesdurchschnitt bei Inzidenzen liegen und das als zweitgrößte Stadt und Metropole, dann kann man schon davon ausgehen, dass der Mix an Maßnahmen auch langsam Wirkung entfaltet. Ich finde es ausdrücklich richtig." Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die Zahlen seit Beginn der Ausgangssperre nicht so richtig zurückgegangen sind – gestiegen sind sie allerdings auch nicht.

Meinungsverschiedenheiten auch in der Wissenschaft

Eine andere Meinung vertritt hingegen die Deutsche Gesellschaft für Aerosolforscher. Sie mahnt, die Maßnahme sei reine Symbolpolitik. Aerosolforscher Dr. Gerhard Scheuch dazu im RTL Nord-Interview: "99,9 Prozent aller Ansteckungen finden drinnen statt. Also man muss alles tun, damit die Leute rausgehen und man muss verhindern, dass die Leute sich nur in Innenräumen aufhalten." Somit eine klare wissenschaftliche Absage an die Ausgangssperre? Nein, sagen Forscher der Universität Oxford: Sie haben unlängst eine Studie veröffentlicht, die belegt, dass nächtliche Ausgangsbeschränkungen die Verbreitung des Virus um 13 Prozent reduzieren können.

Mediziner warnen: Intensivbetten werden knapp

Ein Reduzierung der Ausbreitung: Das ist es, was sich der Leiter der Intensivstation des Uniklinikums Hamburg Professor Stefan Kluge wünscht und durch die Ausgangssperre erhofft. Denn die Kapazitäten der Intensivstationen in Deutschland werden wieder knapp. Im RTL Nord-Interview warnt der Mediziner, dass die Menschen dort gar nicht erst hinkommen dürften: "Diese Covid-19-Patienten haben doch ein Sterberisiko von 30 Prozent, wenn sie auf der Intensivstation sind, auch die jungen Menschen und das Personal brennt uns natürlich aus."

Soziale Unterschiede berücksichtigen

Ethikprofessorin Judith Simon appelliert an die Politik, dass die sozialen Unterschiede bei den Regelungen mehr berücksichtigt werden müssen. So würde die Pandemie selbst als auch die Maßnahmen gegen diese die Bürger unterschiedlich hart treffen: "Wir erleben vielleicht alle denselben Sturm, sitzen aber nicht im selben Boot. Das macht einen riesen Unterschied, ob ich in einer kleinen Wohnung sitze und nicht raus darf, oder in einem Haus mit Garten, ob ich kleine Kinder betreuen muss."

Großteil der Bürger für härteren Lockdown

Laut Umfragen wäre der Großteil der Bürger trotz allem sogar bereit für einen härteren Lockdown – auch mit nächtlicher Ausgangssperre wie in Hamburg. Allerdings vorausgesetzt, dass es dann endlich auch eine Perspektive gibt.

Ausgangssperren verfassungswidrig?

FDP-Chef Christian Lindner steht der Ausgangssperre mehr als skeptisch gegenüber, verriet er RTL in Berlin. Warum er sogar dagegen klagen würde, sehen Sie im Video!

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