Hambacher Forst: Polizei zieht ab - Aktivisten bauen neue Baumhäuser

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8. Oktober 2018 - 11:23 Uhr

NRW-Innenminister Herbert Reul: Rodungsstopp für mindestens zwei Jahre

Nach wochenlangem Einsatz soll die Polizei heute aus dem Hambacher Forst abziehen. "Ich finde, es ist jetzt an der Zeit, dass im Wald Ruhe, Ordnung und Frieden einkehren", so NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). "Die Polizei wird ihren Teil dazu beitragen und die Hundertschaften (…)  aus dem Hambacher Forst abziehen."

Triumph für Umweltschützer im Hambacher Forst, Fiasko für RWE

Die letzten Bäume des Hambacher Forsts
Die letzten Bäume des Hambacher Forsts am Rande des Braunkohle-Abbaugebiets.
© dpa, Federico Gambarini, fg tba pil

Er hoffe sehr, dass die Umweltschützer dies nicht dazu nutzten, neue Baumhäuser und Barrikaden zu errichten, so Reul weiter. Diese Hoffnung war vergebens, denn bereits am Sonntag entstanden in dem Wald bei Köln neue Baumhäuser.

Bis Dienstag der vergangenen Woche hatte die Polizei mit Millionenaufwand im Hambacher Forst 86 Baumhäuser geräumt und abgebaut. Am Freitag verfügte das Oberverwaltungsgericht Münster aber einen vorläufigen Rodungsstopp. Damit seien Rodungen im Hambacher Forst mindestens für die kommenden zwei Jahre vom Tisch, sagte Reul.

Der Gerichtsentscheid ist ein Triumph für die Umweltschützer und ein millionenschweres Fiasko für RWE. Und eine Ohrfeige für die NRW-Landesregierung, die sich die Frage gefallen lassen muss, warum die Räumung der Baumhäuser unbedingt vor dem Richterspruch vollzogen werden musste - mit enormen Kosten für die Steuerzahler sowie großen Belastungen der Einsatzkräfte.

Der Energiekonzern RWE will einen großen Teil des noch bestehenden Waldes abholzen, um dort Braunkohle abzubauen. Angeblich ist ansonsten die Stromversorgung in Deutschland nicht mehr gewährleistet. Hierfür konnte der Strommulti aber keine belastbaren Beweise erbringen, so das Gericht.

Quelle: DPA/RTL.de