Hambacher Forst: Diese Hintergründe sind jetzt wichtig

RWE hält sich zurück

Seit 13. September prallen sie in dem uralten Wald aufeinander: Die Aktivisten, die zum Teil seit Jahren Baumhäuser im Hambacher Forst besetzt haben, und die Polizisten, die diese Baumhäuser nun räumen und beseitigen wollen. Ziemlich im Hintergrund hält sich in diesen Tagen der eigentliche Gegner der Aktivisten: Der Energiekonzern RWE, dem der Hambacher Forst gehört, und der im Oktober mit der nächsten Stufe der Rodung beginnen will. Denn sonst gerät der Braunkohleabbau ins Stocken. Warum der Zeitplan so eng ist, sehen Sie im Video.

Darum geht es bei dem Protest wirklich

Aktivisten stehen im Hambacher Forst auf einem Baumhaus. Im Hambacher Forst ist noch kein Ende der Räumungen absehbar.
Aktivisten im Hambacher Forst auf einem Baumhaus.
cgt fgj, dpa, Christophe Gateau

Zwar laufen die Proteste größtenteils friedlich ab, doch auch drastische Maßnahmen wie Sitzblockaden und angekettete Umweltschützer in Tunneln halten den Fortschritt der Polizeiaktion auf. Ganz zu schweigen von den mehreren Tausend Demonstranten, die zur Verstärkung aus anderen Regionen Deutschlands angereist sind. Die Einsatzkosten werden am Ende in zweistelliger Millionenhöhe liegen, schätzt die Gewerkschaft der Polizei.

Unter dem Waldgebiet Hambacher Forst lagern 2,5 Milliarden Tonnen Braunkohle. RWE hat 1978 angefangen, diese gewaltige Menge abzubauen, 2040 will der Konzern fertig sein. Die Kohle, die im Tagebau Hambach gefördert wird, deckt derzeit rund 15 Prozent des Strombedarfs von Nordrhein-Westfalen, laut RWE arbeiten im Tagebau und in den angeschlossenen Kraftwerken 4.600 Menschen.

Doch damit die Kohle abgebaut werden kann, mussten ganze Ortschaften weichen und eben auch der Hambacher Forst. Denn Braunkohle kann nur im Tagebau gefördert werden, also indem man eine riesige Grube bis hinunter zur Kohleschicht gräbt. Ein unterirdisches Bergwerk, wie es sie für Steinkohle gibt, kommt hier wegen des lockeren Bodens nicht in Frage.

Bereits seit den 70er Jahren gibt es Proteste gegen den Abbau im Hambacher Forst und den Braunkohleabbau an sich. Seit mehreren Jahren haben Aktivisten das noch verbliebene Waldstück besetzt und wohnen dort in Baumhäusern. Unsere Reporter haben die Aktivisten im Wald besucht und sehr persönliche Erfahrungen gemacht.

Sehen Sie hier die bewegende Rede einer jungen Aktivistin, deren Baumhaus jetzt von der Polizei geräumt wurde.

Die Positionen der Gegner

Ein geräumtes Baumhaus im Hambacher Forst wird abgebaut.
Abbau eines geräumten Bauhauses im Hambacher Forst.
cgt jhe, dpa, Christophe Gateau

RWE ist rechtlich auf der sicheren Seite: Der Konzern hat die Erlaubnis der Landesregierung, die restlichen Teile des Hambacher Forstes zu roden. Die Rodung muss in diesem Herbst beginnen, sonst kommt der Tagebau zum Stillstand.

Die Aktivisten wollen RWE dazu bewegen, mit der Rodung noch zu warten. Sie hoffen, dass bald ein Zeitplan für den Kohleausstieg in Deutschland steht und dass der Wald dann stehen bleiben kann.