RTL-Reporterin berichtet vom 23. Prozesstag

Anwalt vergleicht Halle-Attentäter mit einem "Dorfdeppen"

Der Angeklagte sitzt mit Mundschutz im Verhandlungssaal - Prozesstag zweiundzwanzig im Landgericht Magdeburg gegen den
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02. Dezember 2020 - 19:09 Uhr

Von Anne Schneemelcher

In Magdeburg läuft der Prozess gegen den mutmaßlichen Halle-Attentäter Stephan B. In seinem Schlussplädoyer richtete der Nebenklage-Anwalt Florian Feige seine letzten Worte direkt an den Angeklagten. Der Anwalt vergleicht B. mit einem "Dorfdeppen", der im Internet Gleichgesinnte gefunden habe. Der Anschlag von Halle werde zwar unvergessen bleiben, B. selbst werde als "namenloses Irrlicht" erinnert werden.

Rechtsanwalt: "Verschonen Sie uns mit ihren letzten Worten"

Feige vertritt das Paar aus Widersdorf, das B. auf seiner Flucht angeschossen hatte. Für Feige war das versuchter Mord. Er hofft, das B. Zeit im Gefängnis finde, um mal einen Blick in Geschichtsbücher zu werfen, um sich mit seinen "Verschwörungsmythen auseinanderzusetzen, die er für Wahrheit gehalten hat.

Am 9. Dezember halten die Verteidiger des Angeklagten ihr Plädoyer. Stephan B. hat dann auch die Möglichkeit sich zu äußern. Florian Feige bittet den Angeklagten darum, sich nicht zu äußern: "Ich bitte Sie, machen Sie nicht von ihrem Recht Gebrauch, letzte Worte zu sprechen und verschonen Sie uns alle mit ihrer zerebralen Diarrhö." Im Video erzählt eine Augenzeugin, wie sie den Anschlag in Halle hautnah miterlebte.

Anwältin gibt auch Eltern des Angeklagten moralische Mitschuld

Auch Rechtsanwältin Assia Lewin richtet ihr Plädoyer direkt an den Angeklagten, sprach ihn an und schaute ihm in die Augen. "Sie haben auf ganzer Linie versagt", sagt sie mit fester Stimme. Stephan B. hört aufmerksam zu. Lewin vertritt zwei Besucher, die während des Attentates von Halle am 9. Oktober 2019 in der Synagoge waren.

Die Anwältin gibt in ihrem Plädoyer auch den Eltern von B. eine Mitschuld; sie hätten nicht gehandelt und trügen deshalb "große moralische Verantwortung dafür, dass ihr Sohn ein Massenmörder wurde." Am Ende ihres Vortrages ruft sie alle Menschen dazu auf, sich gegen Rassismus und Antisemitismus stark zu machen.

Auch Rechtsanwalt Juri Goldstein, der zwei Mitglieder der Jüdischen Gemeinde vertritt, kam zu Wort. Er kritisiert in seinem Schlussvortrag unter anderem, dass dem Angeklagten beim Prozess eine Bühne geboten worden sei und dass der Prozess von Antisemitismus von Rechts und von Links missbraucht worden sei.

Urteil gegen Stephan B. könnte am 21. Dezember fallen

Der 23. Prozesstag ist überraschend kurz. Um die Mittagszeit herum beendete Ursula Mertens, die Vorsitzende Richterin im Prozess gegen den Attentäter von Halle, die Verhandlung für heute. Am Tag zuvor haben bereits Nebenklage-Anwälte Schlussplädoyers gehalten. Die nächsten Vorträge folgen am 8. Dezember. Am 9. Dezember hat die Verteidigung das Wort und auch der Angeklagte selbst hat die Möglichkeit für letzte Worte. Am 21. Dezember soll das Urteil fallen.