Zwei Todesfälle in 24 Stunden beim Paketdienst in Haldensleben (Sachsen-Anhalt)

Zwei tote Hermes-Mitarbeiter - Polizei geht von Zufall aus

16. Oktober 2019 - 15:57 Uhr

Schwerverletzter war "normaler medizinischer Notfall“

Zwei ungeklärte Todesfälle und ein Schwerverletzter beim Paketdienstleister Hermes in Haldensleben (Sachsen-Anhalt), das scheint zunächst mysteriös. Nach ersten Erkenntnissen geht die Polizei aber jetzt von einer unglücklichen Verkettung von Zufällen aus.

Keine Hinweise auf Fremdeinwirkung

Das Logistikzentrum des Paketdienstleisters Hermes in Handelsleben. (16.10.2019)
Das Gebäude an der Hamburger Straße wurde am Abend evakuiert. Die Nachtschicht ist schon nicht mehr angetreten.
© dpa, Tom Wunderlich, tom wunderlich pat

Auf dem Gelände des Hermes-Versandzentrums war am Dienstagmorgen zunächst ein Toter entdeckt worden. Der 58-Jährige sei zusammengebrochen und vor Ort gestorben, sagte ein Polizeisprecher. Am Nachmittag wurde dann in Haldensleben in einem Transportfahrzeug von Hermes ein weiterer Mitarbeiter tot gefunden. Der 45-Jährige saß leblos auf dem Fahrersitz. 

Zudem wurde am Dienstag auf dem Gelände des Versandzentrums ein Mann schwer verletzt entdeckt. Dies stellte sich als "ganz normaler medizinischer Notfall" heraus.

120 Rettungskräfte im Einsatz

Die ungewöhnliche Häufung der Unglücksfälle am Dienstag führte bis in den frühen Mittwochmorgen hinein zu einem Großeinsatz der Feuerwehr in Haldensleben. 120 Kräfte waren im Einsatz. Der Betrieb im Versandzentrum Haldensleben mit 3.000 Mitarbeitern wurde in der Nacht zu Mittwoch vorsichtshalber vorübergehend eingestellt. Die Spätschicht wurde früher entlassen, die Nachtschicht habe nicht begonnen.

Am Mittwochmorgen löste der Fund geringster Mengen eines Stoffes an einem Paket Aufregung aus. Laut Polizei könnte er in großen Mengen gefährlich sein. Aber: "Die Dosis, die man braucht, um zu sterben, wurde nicht erreicht."

Die Feuerwehr öffnete deshalb alle Pakete in dem Transporter, in dem ein Hermes-Mitarbeiter vor seinem Tod am Dienstag Pakete ausgeliefert hatte. Kurze Zeit später gab es Entwarnung. "Ganz normale Zustellpakete, mit handelsüblichem Inhalt", gab die Polizei Entwarnung.

Leichen sollen obduziert werden

Die Leichen der beiden Männer sollten am Mittwoch obduziert werden, um die Todesursache zu klären. Hinweise auf Fremdeinwirkung gibt es laut Polizei nicht.

Der Betrieb in dem Versandzentrum stand auch am Morgen still. Das Wichtigste sei, dass die Mitarbeiter nicht gefährdet seien, sagte ein Hermes-Sprecher. Er könne noch überhaupt nicht sagen, wann der Betrieb wieder aufgenommen werde. "Die Gedanken sind bei den Verstorbenen und ihren Familien." An dem Standort in Haldensleben wickelt Hermes neben der Lagerlogistik auch die Paketzustellung ab.

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