Hagel und umgestürzte Bäume: Tote und Schäden nach Unwettern

12. Juni 2014 - 16:29 Uhr

"Eines der schwersten Unwetter der letzten 20 Jahre"

Beim schwersten Unwetter seit Jahren sind in Nordrhein-Westfalen mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen. Nach heftigen Gewittern, Sturmböen und Starkregen wurden der Polizei zufolge weitere 30 Personen schwer und 37 leicht verletzt. Umgefallene Bäume richteten verheerende Schäden an, Autobahnen waren teils noch am Morgen gesperrt, vielerorts verkehrten Busse und Bahnen nicht. Entwarnung gibt es noch nicht. In zahlreichen Städten im Ruhrgebiet fällt wegen des Unwetters am Mittwoch die Schule aus, etwa in Essen, Mülheim, Bochum und Gelsenkirchen.

Hagel und umgestürzte Bäume: Tote und Schäden nach Unwettern
Kurz vor dem Sturm: Bedrohlicher Himmel über Köln
© dpa, Oliver Berg

"Das hatte apokalyptische Ausmaße", sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger am Dienstag. Er rechnet mit Schäden in zweistelliger Millionenhöhe. Pendler auf den Autobahnen standen am Morgen in langen Staus.

"Das war eines der schwersten Unwetter der letzten 20 Jahre in NRW", betonte Jäger. Tief 'Ela' hinterließ eine Spur der Verwüstung. Feuerwehrleute und Polizisten rückten zu rund 17.000 Einsätzen aus. In Düsseldorf kamen der Polizei zufolge drei Menschen ums Leben, die in einem Gartenhaus Schutz gesucht hatten: Die Hütte wurde durch umstürzende Bäume getroffen, zwei Männer und eine Frau konnten von den Rettungskräften nur noch tot geborgen werden. Sechs weitere Personen, die ebenfalls in der Laube waren, seien teils schwer verletzt worden.

In Köln wurde ein 20 Meter hoher Baum vermutlich von einem Blitz getroffen und fiel auf einen Radfahrer. Der Mann erlag seinen Verletzungen, wie die Polizei mitteilte. In Krefeld zerstörte ein umstürzender Baum eine Stromleitung und traf einen 28-jährigen Radfahrer. Der Mann sei an einem Stromschlag gestorben. Ein weiterer Mann kam in Essen ums Leben.

Die Landeshauptstadt Düsseldorf erklärte, das Unwetter habe "enorme Schäden" angerichtet, eine genaue Bilanz legte sie am Vormittag aber noch nicht vor. Den Bürgern bot sich ein Bild des Chaos: Vom Sturm gefällte Bäume, zerdrückte Autos, umgestürzte Wahlplakate, umgeknickte Ampeln oder eingedrückte Zäune säumten die Wege. Viele Straßen waren in Düsseldorf auch am Morgen noch nicht passierbar, Baumstämme und herabgestürzte Äste blockierten Fahrwege. Anwohner berichteten von kurzzeitigen Stromausfällen.

Bahn: Ausfälle und Verspätungen

Pendler, die auf die Bahn ausweichen wollten, mussten ebenfalls mit schweren Behinderungen rechnen. Im Zugverkehr kam es zu Ausfällen und erheblichen Verspätungen. Der Verkehrsknotenpunkt Essen war nach Angaben der Deutschen Bahn noch am Morgen gesperrt. Auch die beiden Ost-West-Verbindungen Dortmund-Essen-Düsseldorf-Köln und Dortmund-Gelsenkirchen-Duisburg seien noch von den Sturmschäden betroffen. Ein Schienenersatzverkehr sei wegen der witterungsbedingten Schäden nur begrenzt möglich.

Der Bahn zufolge beeinträchtigten die Auswirkungen des Unwetters auch den bundesweiten Zugverkehr: Zahlreiche ICE- und IC-Linien würden umgeleitet, andere endeten vorzeitig, teilte die Bahn mit. So verkehrten ICEs aus Berlin Richtung Köln/Bonn nur bis Hamm.

Am Flughafen Düsseldorf wurde der Betrieb für etwa eine Stunde unterbrochen. Dort seien Böen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Kilometern pro Stunde gemessen worden, teilte die Betreibergesellschaft mit.

Zuletzt hatte in Nordrhein-Westfalen der Orkan Kyrill im Januar 2007 ähnlich schwere Verwüstungen hinterlassen.