Häusliche Gewalt in Coronavirus-Isolation

Opfer Mareike R.: "Ich dachte, er bringt mich um"

06. April 2020 - 16:17 Uhr

Aggressives Verhalten tritt vermehrt auf

Das Coronavirus stellt unser aller Leben auf den Kopf. Es gibt Ausgangsbeschränkungen, viele Paare müssen dauerhaft auf engstem Raum zusammenleben und haben deutlich weniger die Möglichkeit, sich aus dem Weg zu gehen. Wo das zu aggressivem Verhalten führt, kommt es in Coronazeiten öfter zu häuslicher Gewalt. Im Video spricht Mareike R. über ihren Mann, der sie über Jahre misshandelte.

Angeblich schlug er Mareike vor den Augen der Kinder

"Wir waren mehrere Jahre zusammen, das erste halbe Jahr war noch ok. Da hat er sich noch nicht so gezeigt, wie er ist." Wenig später habe ihr Freund zum ersten Mal zugeschlagen, erzählte Mareike R. "Er hat sich vor mir aufgebaut und versucht, mir klarzumachen, dass ich nichts Gutes bin und daran schuld bin, dass er ausrastet."

Das alles soll er vor den Augen der Kinder getan haben. Zwei Kinder habe sie mit in die Beziehung gebracht, eines habe sie gemeinsam mit ihrem Freund. Der Grund dafür, dass sie sich lange nicht von ihrem Peiniger trennt, sagt Mareike R.

Seit der Coronakrise verschlechterte sich die Beziehung

Doch dann sei die Coronakrise gekommen und die Situation habe sich drastisch verschlechtert. "Er hat die Arbeit ja durch Corona verloren und dadurch ist es noch belastender, wenn er den ganzen Tag zu Hause sitzt", so Mareike. Als er noch zur Arbeit ging, sei er erst spät nach Hause gekommen und habe sich dann auch schnell schlafen gelegt. "Aber seitdem er zu Hause ist, steigt der Frust bei ihm auch noch mehr, weil er nichts Besseres zu tun hat und dadurch lässt er es halt an mir aus."

Psychotherapeutin Sabine Bimmler kennt das Problem: "Corona macht was mit den Beziehungen, ganz klar. Für mich ist das so, als wenn die Beziehung unter ein Vergrößerungsglas gelegt wird. Also alles, was sowieso schon da ist, holt diese Extremsituation nochmal raus. Gutes wie Schlechtes.

"Er hat mir ins Gesicht geschlagen"

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© dpa bildfunk

Im Fall von Mareike R. brachten die Umstände rund um das Coronavirus das Schlechte hervor. "Er hat mir ins Gesicht geschlagen, er hat mich getreten", sagt sie. "Ich habe auch schon an manchen Tagen gedacht, jetzt ist es vorbei und er bringt mich um."

In den letzten Tagen warnen immer mehr Experten vor vermehrter häuslicher Gewalt während der Corona-Isolation. Frauenhäuser und Beratungsstellen haben in der Corona-Krise aufgerüstet. "Enge Wohnverhältnisse, keine Freizeitinteressen, keine Kommunikation miteinander, man erlebt auch nichts Gemeinsames", fasst Christina Habetha, Anwältin des Opfers zusammen. Sie prophezeit: "Es wird sich in kurzer Frist eine erhöhte Anzahl an häuslicher Gewalt breit machen."

Mareike warf ihren Lebensgefährten raus

Mareike R. hat den ersten Schritt in eine sichere Zukunft gewagt. Mit Hilfe eines Freundes, so sagt sie, habe sie ihren gewalttätigen Lebensgefährten aus der gemeinsamen Wohnung geworfen. Bleibt zu hoffen, dass auch andere Opfer von häuslicher Gewalt den Mut finden, es ihr gleich zu tun.

Sie selbst sind oder waren Opfer von Gewalt? Wenden Sie sich an das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen (Frauennotruf): 08000 116 016!