Hälfte aller Syrer ist auf der Flucht: "Größter humanitärer Notfall unserer Zeit"

29. August 2014 - 11:28 Uhr

Weltweite Hilfsangebote reichen nicht aus

Der Bürgerkrieg in Syrien spitzt sich weiter dramatisch zu: Drei Millionen Syrer sind nach Erkenntnissen der Vereinten Nationen wegen des Bürgerkrieges in Nachbarländer geflüchtet. Der Strom von Hilfesuchenden reiße nicht ab, erklärte das Flüchtlingswerk UNHCR. Weitere 6,5 Millionen Menschen seien innerhalb des Landes vertrieben worden. Damit sind fast die Hälfte aller Syrer auf der Flucht.

Syrien: Ein halbes Volk ist auf die Flucht
In Syrien ist fast die Hälfte der Menschen auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg.
© picture alliance / AA, Ayse Sarioglu

Unter den entwurzelten Menschen seien viele Kinder, teilte die UNHCR mit. "Die Krise in Syrien ist zum größten humanitären Notfall unserer Zeit geworden, aber die Welt versagt dabei, den Menschen und den Ländern, in die sie flüchten, zu helfen.", sagte UN-Flüchtlingskommissar António Guterres. Selbst großzügige Angebote reichten nicht aus: "Die bittere Wahrheit ist, es ist zu wenig." Zu den bisher gespendeten 3,1 Milliarden Euro würden bis Jahresende noch zusätzlich 1,5 Milliarden Euro gebraucht, um die Flüchtlinge durch den Winter zu bringen.

Flüchtlinge passieren die Grenzen immer öfter völlig erschöpft, im Schockzustand, verängstigt, und ohne Ersparnisse, berichtet das Hilfswerk. Die meisten seien seit mindestens einem Jahr auf einer Odyssee von Dorf zu Dorf gewesen, bevor sie sich endgültig zur Flucht entschlossen hätten. Dabei werde die Flucht selbst immer beschwerlicher. Die Familien würden gezwungen, Grenzposten zu bestechen oder Menschenschmuggler zu bezahlen.

Flüchtlingskatastrophe treibt Lebensmittelpreise in die Höhe

Inzwischen leben dem Bericht zufolge 1,1 Millionen syrische Flüchtlinge im Libanon, in der Türkei 815.000, in Jordanien 600.000. Dort explodierten in einigen Regionen die Lebensmittelpreise – ein Brot koste mehr als zehnmal so viel wie noch vor einem Jahr, so die UN. Die Hilfsoperation sei inzwischen das größte Projekt in der 64-jährigen Geschichte des Flüchtlingshilfswerks.

Die syrische Staatsführung unter Präsident Baschar al-Assad versucht seit mehr als drei Jahren, einen Aufstand niederzuschlagen. In dem Bürgerkrieg sind nach UN-Erkenntnissen etwa 200.000 Menschen getötet worden. Menschenrechtler werfen den Regierungstruppen und Rebellen wie dem Islamischen Staat Kriegsverbrechen vor.