Facebook, Instagram, Online-Banking & Co.

Haben Sie schon Ihr digitales Erbe geregelt? Wir verraten Ihnen, was Sie tun müssen!

Auch ein digitales Erbe ist heute wichtig.
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23. November 2020 - 14:34 Uhr

Wer rechtzeitig plant, erspart seinen Angehörigen Probleme

Egal ob Facebook, E-Banking oder Instagram – ein Großteil unseres Lebens findet mittlerweile im Internet statt. Durch die Nutzung sozialer Netzwerke, digitaler Kommunikationsdienste, den Austausch von Fotos sowie die Verwendung von Cloud-Diensten entsteht eine riesige Datenmenge, welche auch nach dem Tod beim jeweiligen Anbieter verbleibt. Umso wichtiger ist es deshalb, sich schon zu Lebzeiten Gedanken darüber zu machen, was nach dem Tod mit den eigenen Daten geschehen soll, auch zum Schutze Ihrer Hinterbliebenen.

Digitaler Nachlass: Um welche Daten geht es?

In der heutigen Welt ist unser digitaler Fußabdruck riesig. Bei der Verwaltung Ihres digitalen Erbes geht es beispielsweise um folgende Daten:

  • Daten bei Kommunikationsdiensten, wie z. B. WhatsApp, Snapchat und Twitter
  • Kundenkonten bei Onlineshops und Streamingdiensten
  • Abos für E-Books
  • Konten und Vermögenswerte bei Onlinebanken und Bezahldiensten
  • Zugriff auf Facebook- und Google-Konten
  • Speicherplatz in der Cloud
  • Digitale Musik-Sammlungen

Rechtslage: Erben dürfen sich in Nutzerkonten einloggen

Laut dem Bundesgerichtshof, werden auch digitale Benutzerkonten von Verstorbenen auf die Erben übertragen. Das heißt, die Erben dürfen sich in Nutzerkonten von Verstorbenen einloggen und Kommunikationsinhalte verfolgen oder laufende Verträge kündigen.

Vorausgegangen war ein Rechtsstreit, in dem Eltern Zugriffsrecht auf das Facebook-Konto ihres verstorbenen Kindes forderten. Facebook wollte die Daten unter Berufung auf das Fernmeldegeheimnis nicht herausgeben. Der Bundes­gerichts­hof in Karls­ruhe hat jedoch entschieden, dass die Eltern des verstorbenen Mädchens einen Anspruch auf Zugang zu dem Account haben. Das Facebookprofil von Verstorbenen zählt demnach grundsätzlich zum digitalen Erbe.

​Wichtig: Hierbei handelt es sich ausschließlich um ein Zugriffsrecht. Ein Nutzungsrecht, also das Recht, vorhandene Inhalte zu verändern bzw. neue Inhalte zu erstellen, umfasst das Urteil nicht.

Digitalen Nachlass regeln: So geht's!

Wenn Angehörige die digitale Aktivität des Verstorbenen nachzeichnen müssen, ist das meist eine nervenaufreibende und ziemlich aufwändige Angelegenheit. Um Ihren Angehörigen die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Abwicklungsverfahren von Internet-Anbietern zu ersparen und um selbst zu bestimmen, was mit dem eigenen digitalen Vermächtnis geschieht, ist es deshalb sinnvoll, sich schon zu Lebzeiten Gedanken darüber zu machen, was nach dem Tod mit den Daten geschehen soll. Wir sagen Ihnen, wie Sie Ihren digitalen Nachlass regeln können.

Zugangsdaten und Passwörter hinterlegen

Das Hinterlegen von Passwörtern für E-Mails, soziale Netzwerke und andere Internetanwendungen erleichtert Angehörigen den Zugriff auf das digitale Erbe. Das geht ganz klassisch auf Papier: Einfach alle Konten mit Benutzernamen und Passwörtern aufschreiben, die Liste in einem Umschlag an einem sicheren Ort verwahren und regelmäßig aktualisieren. Sie können die Liste aber auch zusammen mit dem Testament beim Notar hinterlegen oder auf einem USB-Stick gespeichert an einem sicheren Ort aufbewahren.

Bestimmen Sie einen digitalen Nachlassplaner

Wichtig ist, dass Sie schon zu Lebzeiten per Vollmacht eine Vertrauensperson benennen, die sich nach dem Tod um Ihren digitalen Nachlass kümmert. Das können Sie teilweise direkt auf den einzelnen Plattformen regeln oder per klassischer Vollmacht. Ein Musterformular für diese Vollmacht gibt es auf der Webseite des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen. Ganz wichtig: Sie muss handschriftlich verfasst, mit Datum versehen, unterschrieben und mit dem Hinweis versehen sein, dass sie "über den Tod hinaus" gilt. Was die Vertrauensperson mit den Daten machen kann, hängt davon ab, was Sie festgelegt haben.

Tipp: Vermerken Sie in der Liste mit den gesammelten Accounts, was die Vertrauensperson genau mit den diversen Konten, Daten oder auch Fotos im Netz nach dem Ableben tun soll: Soll sie sie löschen? Oder Profile in den Gedenkzustand versetzen, wie es zum Beispiel bei Facebook möglich ist?

Teil der Vollmacht oder der Liste sollte ebenfalls sein, was mit Daten auf den eigenen Geräten geschieht. Sie legen also am besten fest, was mit Rechner, Smartphone, Tablet & Co. sowie den darauf gespeicherten Dingen passieren soll.

Inzwischen gibt es zwar auch Dienstleister, die digitale Nachlässe kommerziell verwalten. Von solchen Unternehmen raten Verbraucherschützer momentan aber eher ab. Ihre Sicherheit und damit die Vertrauenswürdigkeit lasse sich nur schwer beurteilen. Falls Sie erwägen, einen kommerziellen Nachlassverwalter zu beauftragen, erkundigen Sie sich genau nach dem Leistungsumfang und den Kosten!

So regeln Sie Ihren Nachlass auf Facebook

Laut einer Oxford-Analyse werden bis zum Jahr 2100 mindestens 1,4 Milliarden Facebook-Nutzer versterben. Bleibt es bei dem aktuellen Wachstum der Facebook-User, könnte die Sterberate sogar bei 4,9 Milliarden Nutzer liegen. Um zu vermeiden, dass Ihre Hinterbliebenen über schmerzhafte Erinnerungen stolpern – beispielsweise kann Facebook sie dazu auffordern, Ihnen auch nach Ihrem Tod zum Geburtstag zu gratulieren oder Sie zu einer Veranstaltung einzuladen – können Sie auf der Plattform schon zu Lebzeiten eine Person bestimmten, die im Todesfall dazu befugt ist, das Konto zu verwalten.

Dieser Nachlasskontakt hat folgende Befugnisse:

  • Das Verwalten von Gedenkbeiträgen im Profil. Beispielsweise kann der Nachlasskontakt festlegen, wer Beiträge auf dem Profil veröffentlichen und sehen kann und er kann Beiträge sowie Markierungen entfernen.
  • Beantragen, dass das Konto gelöscht wird.
  • Freundschaftsanfragen beantworten.
  • Profil- und Titelbild bearbeiten.

Wichtig: Der Nachlasskontakt kann ausschließlich Beitrage verwalten, die erst nach dem Tod erstellt wurden. Es ist nicht möglich, dass in Ihrem Namen Beiträge veröffentlicht werden oder dass Ihre alten Nachrichten eingesehen werden.

So bestimmen Sie ihren Nachlasskontakt auf Facebook

Klicken Sie oben rechts auf den kleinen Pfeil (Konto), anschließend auf Einstellungen und Privatsphäre und dann auf Einstellungen. Von dort gelangen Sie zu dem Punkt Allgemeine Kontoeinstellungen. Dort können Sie unter Einstellungen für den Gedenkzustand einen Nachlasskontakt bestimmen und diesen per Mail informieren. Alternativ können Sie dort auch beantragen, dass das Profil nach Ihrem Tod gelöscht wird. Sobald Facebook informiert wurde, werden Infos, Fotos und Beiträge dauerhaft entfernt.

Auch auf Instagram kann das Profil in einen Gedenkzustand versetzt werden

Hinterbliebene können auf Instagram beantragen, dass das Profil in einen Gedenkzustand versetzt wird. Dafür muss nachgewiesen werden, dass die Person tatsächlich verstorben ist, z.B. durch den Link zu einer Todesanzeige oder einem Zeitungsartikel. Unmittelbare Familienmitglieder der verstorbenen Person können auch beantragen, dass das Konto dauerhaft gelöscht wird. Dazu muss allerdings nachgewiesen werden, dass es sich um einen direkten Angehörigen handelt, etwa durch die Geburts- oder Sterbeurkunde der verstorbenen Person.

Instagram-Accounts im Gedenkzustand haben folgende Besonderheiten:

  • Niemand kann sich bei diesem Konto anmelden und Änderungen vornehmen.
  • Auf dem Profil der verstorbenen Person steht vor dem Namen "In Erinnerung an".
  • Die Beiträge, die von der verstorbenen Person gepostet wurden, bleiben auf dem Account verfügbar und sind für die Zielgruppe sichtbar, mit der sie zu Lebzeiten geteilt wurden.
  • Das Konto wird an bestimmten Orten auf Instagram nicht mehr angezeigt, wie beispielsweise unter "Entdecken".

Wichtig: Instagram gibt keine Login-Informationen für Ihr Konto heraus. Denn das würde gegen die Richtlinien verstoßen.