Ausgerechnet ein Bremer schreibt Lexikon über das Hamburger Platt

Haben die Hamburger ihre eigene Sprache verlernt?

13. April 2021 - 17:28 Uhr

So schwer ist das Hamburger Plattdeutsch

Muss erst ein Bremer kommen, um den Hamburgern ihre eigene Sprache zu erklären? Ja, lautet die Antwort, denn scheinbar haben viele Hamburger nicht mehr die geringste Ahnung, was Begriffe wie zum Beispiel "anköteln" bedeuten. RTL Nord hat auf der Straße den Test gemacht.

Wie sich die Hamburger geschlagen haben und ob sie das Hamburger Platt noch verstehen, sehen Sie im Video.

Ein Bremer weiß es besser

Daniel Tilgner zieht 1987 von Bremen nach Hamburg und lebt 16 Jahre in der Metropole, bis er wieder zurück nach Bremen geht. Schon damals bekommt er die Idee für das Hamburger Lexikon. Viele Dinge in der für ihn neuen Hansestadt waren eigenartig, sagt er. "Die muss man erstmal lernen. Wir stehen hier auf dem Gänsemarkt und hier wurde aber nie was gehandelt. Auf dem Rathausmarkt auch nicht. Das sind kleine Sachen, aber da kommt mehr zusammen", erzählt er RTL Nord bei einer Stadtführung. So kam ihm die Idee für das Buch zur Hamburger Sprache.

Sogar Polizeiautos heißen anders

Im Notfall einen Peterwagen rufen! Bitte was? Ja auch für das Polizeiauto gibt es in Hamburg einen eigenen Begriff. "Der Peterwagen kommt aus der Zeit der Engländer, die nach dem zweiten Weltkrieg hier die Verwaltung in der Hand hielten", erklärt der 56-Jährige. Ein deutsch-englisches Verständigungsproblem führte schließlich zu dem Namen. "Da hieß es Petrolcar also Patrouillenauto", erläutert Daniel Tilgner. Das haben die Hamburger nicht richtig verstanden und dann wurde daraus der Peterwagen.

„Digga“ steht auch im Lexikon

Das Buch von Daniel Tilgner befasst sich aber nicht nur mit alten Hamburger Begriffen. Auch der moderne Sprachgebrauch ist in das Lexikon mit eingeflossen. Hamburger Straßenslang wie zum Beispiel das Wort "Digga" sind inzwischen auch fester Bestandteil der Hamburger Sprache, ist der Autor überzeugt. "Sprache ist was Lebendiges. Sie bildet unser Leben ab", ist der Bremer überzeugt.

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