Guttenberg tritt zurück

9. Februar 2016 - 12:09 Uhr

"Der schmerzlichste Schritt meines Lebens"

Der öffentliche Druck ist offenbar doch zu groß geworden: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) legt das Amt des Verteidigungsministers nieder. Er habe in einem "freundschaftlichen Gespräch mit der Kanzlerin" um seinen Rücktritt gebeten, sagte er zu Beginn seiner persönlichen Erklärung. "Dies war schmerzlichste Schritt meines Lebens", so der Minister.

Anschließend begründete er seinen Schritt mit der Tatsache, dass seine Person über den dringenden Bundeswehr-Themen wie 'Gorch Fock' oder die anstehenden Reformen der Armee an. Über die Plagiatsaffäre, den eigentlichen Grund seiner Demission, sprach er zunächst nicht.

Der Verteidigungsminister machte deutlich, dass er sich mit seinem Rücktritt schwer getan habe. Dies sei "unbefriedigend, aber allzu menschlich". Man gebe nicht leicht ein Amt auf, "an dem das Herzblut hängt".

Der zurückgetretene Minister dankte Bundeskanzlerin Merkel für die Unterstützung in den vergangenen Tagen. "Ich war immer bereit zu kämpfen. Aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht." Die mediale Betrachtung seiner Person und die Qualität der Auseinandersetzung sei nicht ohne Auswirkung auf ihn und seine Familie geblieben. Die Mechanismen könnten zerstörerisch sein. Er erwarte aber kein Mitleid.

Teile der Doktorarbeit abgeschrieben

Guttenberg sagte, er ziehe die Konsequenz, die er auch von anderen verlangt habe. Er stehe zu seinen Schwächen und Fehlern. Es sei eine Frage des Anstandes gewesen, zunächst die drei in Afghanistan gestorbenen Soldaten zu Grabe zu tragen. Er werde sich an der Aufklärung der Vorwürfe gegen ihn in Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit beteiligen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte vor Bekanntwerden des Rücktritts überraschend ihren Rundgang auf der Computer-Messe Cebit in Hannover unterbrochen und längere Zeit telefoniert. Dem Vernehmen nach stimmte sich die Kanzlerin auch mit FDP-Chef Guido Westerwelle und CSU-Chef Horst Seehofer ab.

Guttenberg wird vorgeworfen, wesentliche Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben zu haben, ohne diese Passagen als Texte anderer Autoren gekennzeichnet zu haben. Guttenberg hatte die Vorwürfe zunächst abgestritten, später aber gravierende handwerkliche Fehler eingeräumt und auf seinen Doktor-Titel verzichtet.