Studie zu Lebenszufriedenheit

Gute Laune trotz Corona: So geht es uns in der Pandemie

Wie beeinflusst Corona unsere Lebenszufriedenheit?
Wie beeinflusst Corona unsere Lebenszufriedenheit?
© iStockphoto, aamorim

16. April 2021 - 15:27 Uhr

Trotz allem gute Laune

Wir können aktuell nur etwas neidvoll nach Großbritannien schauen, wo in den Außenbereichen von Pubs schon das Bier fließt. In Israel sind Schwimmbäder für Geimpfte wieder geöffnet, in den USA werden Hauspartys geplant. Auch Deutschland plant. Allerdings stehen hier statt Partys Ausgangssperren auf der Agenda. Dazu politische Machtspiele und Impfverzögerungen. Man könnte meinen, die Deutschen dürften aktuell ziemlich schlecht gelaunt sein. Laut einer Umfrage ist dem aber gar nicht so. Und die Deutschen blicken nach Angaben von Experten sogar positiv in die Zukunft.

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Lebenszufriedenheit sogar verbessert

Die Pandemie hat die Lebenszufriedenheit vieler Menschen in Deutschland einer Umfrage zufolge in einigen Bereichen sogar verbessert. Viele Erwachsene schätzen ihre Gesundheit und ihren Schlaf als deutlich besser ein im Vergleich zu vorher. Das zeigen Daten des "Sozio-oekonomischen Panels" (SOEP). "Im Angesicht der Bedrohungen durch die Pandemie sind die Zipperlein, die man am Rücken spürt, wohl zu vernachlässigen", erklärte Stefan Liebig, Direktor des Panels und wissenschaftliches Vorstandsmitglied des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), den teils positiven Trend. Auch für die größer gewordene Zufriedenheit mit dem Schlaf gibt es eine Erklärung: "Durch das Homeoffice entfallen zum Beispiel lange Anfahrtswege zur Arbeitsstelle."

Die jährliche Befragung von Privathaushalten ist die größte Langzeitstudie zur gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Mehr als 6500 Teilnehmende der Studie wurden im April und Juni 2020 sowie im Januar 2021 zusätzlich zu ihrer Lebenssituation in der Pandemie befragt. Das Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und die Uni Bielefeld arbeiten bei der Zusatzstudie zusammen.

Positiver Blick in die Zukunft

Zukunftsforscher Horst Opaschowski ist von der "mentalen Stärke" der Menschen in Deutschland beeindruckt. Sie blickten, so ergaben seine Umfragen, trotz der nun mehr als einjährigen Pandemie optimistisch in die Zukunft. Das Opaschowski Institut für Zukunftsfragen hatte hierfür zu drei Zeitpunkten der Pandemie jeweils 1000 Personen ab 14 Jahren befragt. "Bei einem Großteil der Bevölkerung überwiegt nach wie vor die positive Einstellung zum Leben", sagte Opaschowski dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Mit der Dauer der Pandemie werden eher neue Kräfte freigesetzt: Statt Angst und Pessimismus herrschen Ausdauer, Zuversicht und Hoffnung vor."

Ist wirklich alles so positiv?

Homeschooling mit den Kindern, parallel zum Homeoffice. Das kann ganz schön stressig sein. Auch ein Grund, warum laut SOEP die Zufriedenheit der Befragten im Familienleben in Pandemiezeiten gesunken ist. Am meisten ärgert sie aber der Umfrage zufolge, dass die Corona-Krise so stark ihr Freizeitverhalten einschränkt.

Der Soziologe Martin Schröder von der Universität Marburg sieht eine "unfassbar niedrige" Lebenszufriedenheit der Deutschen. "Das ist ungefähr mit dem Rückgang an Lebenszufriedenheit vergleichbar, den Menschen durchmachen, wenn Sie ihren Job verlieren oder ihre Partnerschaft ungewollt endet - nur dass der Effekt eben nicht einige Pechvögel betrifft, sondern uns alle." Die Folge seien mehr psychische Erkrankungen, so Schröder, der auch ein Buch über Lebenszufriedenheit geschrieben hat. Für seine jüngsten Analysen mit Blick auf die Pandemie wertete er Daten des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf aus. "Die sind zwar nicht repräsentativ, aber sie spiegeln die tatsächliche Lage klar wieder", ist sich der Forscher sicher.

Mehr Depressionen und Angststörungen

Auch die Psychologin Isabella Heuser-Collier von der Berliner Charité rechnet mit mehr Depressionen und Angststörungen: "Wir wappnen uns vor einer Flut solcher Erkrankungen", sagte die Direktorin der Klinik und Hochschulambulanz für Psychiatrie und Psychotherapie. Und sie sorgt sich um den deutschen Generationenvertrag. "Junge Leute sehen ihre Existenz bedroht." Vielen Senioren werde vorgeworfen, als erste geimpft worden zu sein, sagte sie. Könnten die Erfahrungen aus der Pandemie die Gesellschaft auch positiv beeinflussen? Mehr Fürsorge, Achtsamkeit, Empathie? Heuser-Collier hält das für Wunschdenken. "Der Mensch vergisst nichts so schnell und gern wie Katastrophen. Denken Sie nur an die Spanische Grippe und den Ersten Weltkrieg."

Die Zuversicht siegt

Soziologe Schröder blickt trotz allem zuversichtlich in die Zukunft: "Sobald die (Pandemie-)Situation sich normalisiert hat, wird auch die Lebenszufriedenheit wieder auf ihren normalen Wert klettern", so der Soziologe. "Vielleicht gibt es sogar einen 'Overshoot', vielleicht traut man der Sache aber auch erst mal nicht und die Erholung ist zaghaft." Für Schröder gibt es an der Erholung der Zufriedenheit "irgendwann zwischen Mai und August" keinen Zweifel: "Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn Corona die einzige Ausnahme von allen wäre."

Impfungen fördern gute Laune

Dass die Fortschritte in der Pandemie-Bekämpfung Zuversicht und gute Laune fördern, zeigen auch Reaktionen von Prominenten - vor allem bei den Impfungen. "Man fühlt sich besonders nach der zweiten Impfung so richtig frei", schwärmte der deutsche Regisseur Wolfgang Petersen (80), dem in Los Angeles das Vakzin verabreicht wurde. Euphorisch äußerte sich Arnold Schwarzenegger: "Ich war noch nie so glücklich, in einer Schlange zu warten", schrieb der 73-jährige Hollywood-Star auf Twitter. Und der Berliner Sänger und Entertainer Frank Zander (79) verriet nach seiner Impfung, nach der man laut Experten eigentlich erst mal keinen Alkohol trinken soll, auf Facebook. "Bin erleichtert und mir geht's bestens - jetzt n Bierchen!"

dpa/RTL.de

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