Neun Menschen mussten sterben

Gutachter über Hanau-Attentäter: Rassist und psychisch krank

Attentat Hanau
© dpa, Boris Roessler, brx rho

27. November 2020 - 16:10 Uhr

140-seitiges Gutachten über Hanau-Attentäter erstellt

Der Attentäter von Hanau war laut einem posthum erstellten Experten-Gutachten psychisch krank. Auf die Geistesstörung - eine paranoide Schizophrenie - sei eine rechtsradikale Ideologie aufgesetzt gewesen, die fremdenfeindliche, rassistische und völkische Elemente enthalten habe, zitierte der "Spiegel" am Freitag aus der rund 140-seitigen Expertise. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, die die Ermittlungen zu dem Anschlag leitet, hatte das Gutachten bei dem forensischen Psychiater Henning Saß in Auftrag gegeben. Die Informationen wurden der Deutschen Presse-Agentur bestätigt.

Attentäter veröffentlichte rassistische Verschwörungstheorien im Internet

Der Attentäter hatte am 19. Februar im hessischen Hanau gezielt neun Menschen mit Migrationshintergrund erschossen. Später wurden der 43-Jährige und seine Mutter tot in ihrer Wohnung gefunden. Vor der Tat hatte er Pamphlete und Videos mit abstrusen Verschwörungstheorien und rassistischen Ansichten im Internet veröffentlicht.

"politisch-ideologischer Fanatismus"

Laut "Spiegel" beschreibt Saß die Gedankenwelt des Attentäters als "eigentümliche Amalgamierung", bei der "krankheitsbedingte Fantasien" und "politisch-ideologischer Fanatismus" untrennbar verwoben gewesen seien. Er sei in seiner Fähigkeit, "sich reflektierend mit der eigenen, krankhaft verformten Weltsicht" auseinanderzusetzen, massiv eingeschränkt gewesen. Trotz eingeschränkter Steuerungsfähigkeit habe er die rassistischen Morde jedoch planvoll vorbereitet.

Quelle: DPA/RTL.de