Guido Westerwelle ist tot: Ex-Außenminister starb an den Folgen seiner Leukämie

22. März 2016 - 10:53 Uhr

"Wir haben gekämpft - die Liebe bleibt"

Der ehemalige Außenminister Guido Westerwelle ist tot. Der frühere FDP-Vorsitzende starb am Freitag im Alter von 54 Jahren an den Folgen seiner Leukämie-Erkrankung. Dies teilte die Westerwelle Foundation in Berlin mit.

Guido Westerwelle ist tot: Ex-Außenminister starb an den Folgen seiner Leukämie
Guido Westerwelle ist am Freitag in Köln gestorben.
© Sean Gallup

Bei Westerwelle war im Juni 2014 - ein halbes Jahr nach seinem Ausscheiden aus dem Auswärtigen Amt - eine besonders schlimme Form von Blutkrebs diagnostiziert worden. Auf der Homepage der Westerwelle-Stiftung war am Freitag ein Foto Westerwelles zusammen mit seinem Ehemann Michael Mronz zu sehen. Daneben steht: "Wir haben gekämpft. Wir hatten das Ziel vor Augen. Wir sind dankbar für eine unglaublich tolle gemeinsame Zeit. Die Liebe bleibt."

Westerwelle gehörte seit den 80er Jahren zu den prägenden Figuren der bundesdeutschen Politik. Nach vielen Jahren in der Opposition war er zwischen 2009 und 2013 Bundesaußenminister. In den ersten beiden Jahren der schwarz-gelben Koalition, bis zu seinem Rücktritt vom Amt des FDP-Chefs, war er auch Vizekanzler.

Über seine Krebserkrankung hatte Westerwelle auch ein Buch ('Zwischen zwei Leben') geschrieben, das er im vergangenen Herbst vorgestellt hatte. Damals gab es Hoffnung, dass er die Krebs-Erkrankung bewältigen könnte. Im Dezember musste er sich allerdings erneut ins Krankenhaus begeben, was offiziell mit einer "Medikamentenumstellung" begründet wurde. Seither war er kaum noch in der Öffentlichkeit aufgetaucht.

Bewundert, bejubelt, verspottet, verhasst

Zeit seines Lebens gehörte der Anwaltssohn aus Bonn zu den Leuten, über die die Meinungen auseinandergingen. Bewundert, bejubelt, verspottet, verhasst. Zu Beginn der 80er Jahre fiel er zum ersten Mal auf: Als im Bonner Hofgarten Hunderttausende gegen die Nachrüstung demonstrierten, stand Westerwelle mittendrin und verteilte Flugblätter - dafür. Das war für ihn der "Ausdruck vom Recht auf eine eigene Meinung", von Selbstbehauptungswillen auch.

2009 gelang der FDP die Wunsch-Koalition mit der Union - mit einem Sensationsergebnis von 14,6 Prozent. Die Versprechen waren groß und die Erwartungen auch. Doch in der Stunde des Triumphs machte Westerwelle einen seiner größeren Fehler: Er übernahm nicht das Finanz-, sondern das Außenministerium.

Die Rechnung, damit auch die Beliebtheitswerte der Vorgänger zu übernehmen, ging nicht auf. Viele nahmen ihm den Wandel zum Diplomaten nie ab. Nach anderthalb Jahren verlor auch die eigene Partei die Geduld. Westerwelle musste FDP-Vorsitz und Vizekanzlerposten abgeben. Gezwungenermaßen konzentrierte er sich aufs Auswärtige Amt, wo er sich zunehmend Respekt erarbeitete.

Als 'Ziehvater' galt lange Zeit Hans-Dietrich Genscher. Dessen Nachfolger Klaus Kinkel machte ihn - mit gerade mal 32 Jahren, was damals noch ungewöhnlich war - zum Generalsekretär der FDP. Westerwelle war Ehrgeiz pur. Lauter, forscher, schriller als jeder andere. Auf Parteitagen konnte er die Leute schwindlig reden. 2001, mit 39, wurde er FDP-Chef und machte sich daran, die Liberalen vom Mehrheitsbeschaffer zur "Partei des ganzen Volkes" zu verwandeln. Er ließ sich zum Kanzlerkandidaten ausrufen, reiste im Wohnmobil durch die Republik, stieg bei 'Big Brother' in den Container und malte sich eine gelbe '18' als Wahlziel auf die Schuhsohle.

Zuletzt war es sehr still um den Bonner geworden. Westerwelle hinterlässt seinen langjährigen Lebensgefährten Mronz, mit dem er mehr als fünf Jahre verheiratet war. Ihm hatte er auch das Buch gewidmet. "Für Michael. Den Mann meiner zwei Leben."