Guatemala: Erster Masern-Fall seit 20 Jahren - aus Deutschland eingeschleppt

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22. Januar 2018 - 22:44 Uhr

Schülerin steckte sich in Deutschland an

Wovon wir in Deutschland noch lange entfernt sind, das hatte Guatemala schon seit Langem erreicht: Seit 20 Jahren war das zentralamerikanische Land komplett frei von Masern. Doch jetzt musste das Gesundheitsministerium bekannt geben: Eine Schülerin aus Guatemala-Stadt steckte sich nachweislich mit der hoch ansteckenden Infektionskrankheit an - das Virus schleppte sie aus Deutschland ein.

Weitrechende Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet

Das guatemaltekische Gesundheitsministerium ist in Alarmbereitschaft: Eine 17-jährige Schülerin aus Guatemala-Stadt steckte sich bei einem Schüleraustausch in Deutschland mit Masern an. Das Mädchen soll sie Deutsche Schule in der Hauptstadt Guatemalas besuchen. Laut Informationen von 't-online.de' erfolgte der Austausch mit dem Gymnasium Katharineum in Lübeck. Ob sich das Mädchen direkt in der Schule oder etwa bei einem Ausflug ansteckte, ist bisher nicht bekannt.

Masern gelten in Guatemala eigentlich als ausgerottet. Laut Zertifikat der Weltgesundheitsorganisation konnte seit 1998 kein Verdachtsfall mehr bestätigt werden. Dennoch sind nicht alle Kinder gegen das Virus geimpft - nur so konnte sich die Schülerin überhaupt anstecken.

Laut einer Pressemitteilung des guatemaltekischen Gesundheitsministeriums wurde der Fall am 18. Januar festgestellt. Um einer Welle von Ansteckungen vorzubeugen, wurden alle Lehrer und Schüler geimpft, die die Schule der Erkrankten besuchen. Darüber hinaus erhielten auch die Familie des Mädchens und alle Nachbarn im Umkreis von fünf Häuserblöcken die entsprechende Impfung. Alle Eltern von Kindern zwischen einem und sieben Jahren in ganz Guatemala werden angehalten, ihre Kinder in der nächsten Zeit impfen zu lassen. Laut Gesundheitsminister Carlos Soto Menegazzo wurde die Erkrankung bei der Einreise über den Flughafen nicht erkannt, da das Mädchen noch keine Symptome zeigte. Diese treten erst nach sieben bis 21 Tagen nach Ansteckung auf. Da die Krankheit zu diesem Zeitpunkt noch nicht ansteckend ist, bestehe auch keine Gefahr, dass sich Mitreisende infiziert haben könnten.

Mehrere Hundert Fälle pro Jahr in Deutschland

Masern sind eine hochansteckende Infektionskrankheit, die vor allem Kinder, aber auch Jugendliche und Erwachsene trifft. Eine Erkrankung beginnt typischerweise mit Fieber, Husten und Schnupfen. Besonders symptomatisch ist der dunkelrote Hautausschlag, der sich vom Gesicht über den Rumpf ausbreitet. Masern können eine langanhaltende Immunschwäche mit sich bringen und zu einer tödlichen Hirnhauptentzündung führen. Zum Schutz ist eine Impfung dringend notwendig. Dennoch ist die Impfquote in Deutschland derzeit rückläufig: Aktuell liegt sie bei etwa 85 bis 90 Prozent. Eine Quote von etwa 98 Prozent ist jedoch notwendig, um eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen, um auch die nicht geimpften Kinder zu schützen.

Das Ziel der Weltgesundheitsorganisation war eigentlich, die Masern bis 2015 auszurotten. Die Realität sieht jedoch ganz anders aus: Gemäß bisher noch unveröffentlichten Zahlen des Robert Koch Instituts, die dem ZDF-Magazin 'Frontal 21' vorliegen, verdreifachten sich die Infektionen in Deutschland 2017 im Vergleich zu 2016.

Laut guatemaltekischem Gesundheitsministerium wurden in ganz Nord- und Südamerika 2016 und 2017 insgesamt nur 201 Fällen von Masern bestätigt: 119 in den USA, 45 in Kanada, 34 in Venezuela und 3 in Argentinien. Die traurige Bilanz für Deutschland: Allein hierzulande waren es im selben Zeitraum mehr als 800 Fälle.