Guardiola kitzelt, Magath bewirbt sich

Dürfte sich von Pep Guardiola empfindlich gekitzelt fühlen: Toni Kroos.
© dpa, Federico Gambarini

21. September 2014 - 21:00 Uhr

6 Dinge, die wir am 20. Spieltag gelernt haben

Die Bayern weigern sich in der Fußball-Bundesliga weiterhin, zu stolpern. Leidtragende sind die Liga und Toni Kroos. Der HSV macht sich lächerlich - und Felix Magath bewirbt sich via Facebook.

1. Der Dinosaurier wird immer trauriger

Fast acht Stunden saß der Aufsichtsrat des Hamburger SV am Sonntag zusammen, um über die Zukunft des Klubs zu entscheiden. Damit befasste sich das Kontrollgremium mutmaßlich länger ernsthaft mit Fußball, als es die Mannschaft in dieser Saison der Bundesliga bisher getan hat. Das Ergebnis war allerdings ebenso unbefriedigend wie ein HSV-Spiel, heraus kam - nichts. Das heißt trotz in 51 Jahren Bundesliga einmaligen sechs Ligapleiten in Folge und einer Rückrundenbilanz von 0 Punkten und 0:9 Toren bleibt die sportliche Führung um Trainer Bert van Marwijk und Manager Oliver Kreuzer im Amt.

HSV-Legende Felix Magath, derzeit arbeitssuchend, muss sich damit weiter über Facebook als Trainermanagerretter initiativ bewerben: "In Hamburg ist der HSV hinter undurchschaubaren Strömungen, Gruppen- und Einzelinteressen kaum noch sichtbar. Mittlerweile muss man nach diesem Rückrundenstart sogar mit einem Abstieg unseres Hamburger SV rechnen." Nach dem 0:3 gegen die Hertha aus Berlin, mit dem die Hamburger den Bremern wieder den Titel der Schießbude der Liga abspenstig machten, ist die Lage desolat. Vorletzter nach 20 Spielen, brodelnder Unmut unter den Fans inklusive Belagerung des Spielerparkplatzes, die meisten Gegentore der Liga, kein Geld und jetzt mit Braunschweig auch noch das nächste Ligaspiel gegen den einen Gegner, gegen den man in der Rückrunde auf keinen Fall verlieren darf. Immerhin: Endlich mal wieder ein Endspiel für den ruhmreichen HSV.

2. Die Bayern sorgen für ihre eigene Spannung

Nein, der Meisterschaftskampf ist nicht spannend und wird in dieser Saison auch nicht mehr spannend. Die Bayern gewinnen trotzdem, als würden sie die lästige Meisterfeier gerne so schnell wie möglich hinter sich bringen. 2:0 im Derby gegen giftige Nürnberger, das Nachholspiel gegen Stuttgart mitgezählt lautet die Bilanz 2014: 4 Spiele, 12 Punkte, 11:1 Tore. "Schon wieder vier Siege in vier Rückrundenspielen, bei uns ist halt die Spannung da", sagte Thomas Müller.

Heraus ragte bei den Bayern einer, der zum Rückrundenauftakt ausgebootet wurde und laut "Kaiser" Franz Beckenbauer keine Zukunft in München hat. Mario Mandzukic zeigt sich seit seiner Denkpause in guter Form, schoss in Nürnberg das Führungstor und bereitete das zweite vor. "Wenn man Schwierigkeiten hat, muss man eine Reaktion zeigen, und das hat Mario sehr gut gemacht", sagte Matthias Sammer. Guardiolas neueste Erziehungsmaßnahme trifft Toni Kroos, der auch am Wochenende 90 Minuten auf der Bank schmorte und seine Lektion offenbar noch lernen muss. Welche Reaktion der strenge Josep Guardiola vom Nationalspieler erwartet, verriet der Bayern-Trainer nicht: "Ich spreche nur über Spieler, die gespielt haben."

3. Dortmunder und Schalker bekommen nichts geschenkt

In Bremen haben die Dortmunder prima Fußball gespielt, und da sie seit langer Zeit wieder ihre Torchancen auch nutzten, sprang am Ende ein überzeugender 5:1-Sieg beim allerdings arg harmlosen SV Werder heraus. Nach dem 2:1 in Braunschweig in der Woche zuvor hatte Jürgen Klopp noch konstatiert: "Wenn man die Möglichkeiten auslässt, bleibt der Gegner am Leben." Das war am Wochenende nicht das Problem, auch, weil der Armenier Henrikh Mkhitaryan eines seiner besseren Spiele im Trikot des BVB absolvierte und neben Robert Lewandowski als Doppeltorschütze reüssierte. Der Trainer frohlockte: "Wir haben das gesehen, was wir jede Woche sehen wollen und was wir jetzt auch hoffentlich wieder jede Woche sehen werden."

Bester hinter dem FC Bayern zu werden, bleibt das Ziel. "Wir wollen Zweiter werden", verkündete Mittelfeldspieler Nuri Sahin. Der Abstand zu den Leverkusenern, die am Freitag effizient mit 1:0 in Mönchengladbach gewannen, hat sich zumindest nicht vergrößert, am Mittwoch spielt der BVB im Viertelfinale des DFB-Pokals in Frankfurt, am Samstag geht es dann zu Hause gegen Eintracht. Alles gut also - wenn da nicht immer die Sache mit den Verletzten wäre. Am Samstag traf des die Mittelfeldakteure Sven Bender und Marco Reus, beide Nationalspieler fallen aus.

Glück im Spiel, Pech mit den Verletzungen – das gilt auch für den Erzrivalen aus Gelsenkirchen. Die Schalker sind mit der Maximalausbeute von neun Punkten in die Rückrunde gestartet, aber Trainer Jens Keller klang nach dem überzeugenden 2:0 gegen Hannover 96 ein bisschen wie Bert van Marwijk. "Wir sind trotzdem weiter optimisch", sagte der 43-Jährige, der immer weniger gesunde Spieler zur Verfügung hat. Kapitän Benedikt Höwedes hatte die Partie gegen 96 wegen eines Muskelfaserrisses verpasst, das gleiche Schicksal ereilte nun auch Atsuto Uchida. Beide fallen drei Wochen aus. Roman Neustädter erlitt eine Platzwunde am Knie, gegen Leverkusen am kommenden Wochenende wird auch er wahrscheinlich fehlen. Selbst die gute Nachricht des Sonntags hatte einen Haken: Zwar einigte sich Sportdirektor Horst Heldt mit dem Hamburger SV über den Transfer des ausgeliehenen Dennis Aogo – aber der Linksverteidiger kann Jens Keller erst in der nächsten Saison helfen, wenn er sich von seinem Kreuzbandriss erholt hat.

4. Die Rückrunde ist auch nicht mehr, was sie mal war

Der Augsburger Andre Hahn traf in Stuttgart doppelt.
Andre Hahn ist das Sinnbild des Augsburger Höhenflugs.
© imago/Eibner, imago sportfotodienst

Die bescheidene Bundesliga-Hinrunde war noch gar nicht beendet, da sah sich Werders Trainer Robin Dutt schon zum Äußersten gezwungen: Zweckoptimismus. Die "Kreiszeitung Syke", immer ganz nah dran an den Bremern, zitierte Dutt deshalb am 17. Dezember mit den aufmunternden Worten: "In Wintertrainingslagern habe ich ganz oft sehr, sehr gute Schlüssel und Wege gefunden." Überschrift des Artikels: "Das Wunder in der Winterpause?" Das Fragezeichen war berechtigt.

Wer Dutts Werderaner in den ersten drei Rückrundenpartien erlebt hat, muss zu dem Schluss kommen: Das Wintertrainingslager ist ausgefallen. Ein zweitligareifes 0:0 gegen Schlusslicht Braunschweig und ein hochverdientes 1:3 in Augsburg bedeuteten schon vor dem 20. Spieltag die schlechteste Ligabilanz seit 39 Jahren. Es folgte ein 1:5 gegen Dortmund, im eigenen Stadion - und die Jobgarantie für Dutt beim ernsthaften Abstiegskandidaten. Oder wie die "Süddeutsche Zeitung" schrieb: "Vorne mittellos, hinten hilfsbereit wie die Pfadfinder." Und Dutt? Macht weiter auf Zweckoptimist: "Ich habe ein paar spielerische Akzente gesehen, die ich lange vermisst habe."

5. Mit Ramos holt der BVB den Richtigen

Adrian Ramos wechselt im Sommer zu Borussia Dortmund. Hertha BSC kassiert zehn Millionen Euro, der Kolumbianer erhält einen Fünfjahres-Vertrag. Das behauptet zumindest Sky-Italia, der Sender, der zuerst die Verpflichtung von Josep Guardiola als Bayern-Trainer vermeldete. Und es ergibt alles Sinn: Der BVB braucht einen Ersatz für Robert Lewandowski, eigentlich sogar mehr als das, weil sich Ersatzmann Julian Schieber nicht so gut entwickelt, wie sich die Borussen das vorgestellt hatten. Adrian Ramos wiederum spielt in der Form seines Lebens, führt die Torjägerliste mit 14 Toren an. Im Gegensatz zu Pierre-Emerick Aubameyang und Henrikh Mkhitaryan, die mit Anlaufschwierigkeiten kämpfen, braucht der Kolumbianer keine Eingewöhnungszeit mehr. Seine sechs Kopfballtore sind Liga-Bestwert. Und mit dreckigen Siegen, die der BVB von Zeit zu Zeit braucht – siehe Braunschweig – kennt sich der 28-Jährige bestens aus. Er ging 2012 mit der Hertha in Liga zwei, und schoss seine Tore eben ein Jahr lang gegen Aalen, Sandhausen und Aue. Gegen den Hamburger SV zeigte der Stürmer mit zwei Toren und einer Vorlage eindrucksvoll seine Stärken – das Kopfballspiel, aber auch die Ballbehauptung und seine Kombinationsgabe.

Ehrlicherweise offenbarte er sogar, dass der BVB ihn nicht unbedingt die Elfmeter schießen lassen sollte. Nach dem Spiel schwieg Ramos, sein Trainer Jos Luhukay sagte: "Er hat seine Füße sprechen lassen." Die werden mit jedem Tor teurer, zumal die frisch mit Geld ausgestatteten Berliner angeblich um Ramos kämpfen wollen. "Wir investieren alles, was in unseren Möglichkeiten steht, damit er bleibt", sagte Herthas Manager Michael Preetz. Letztlich fehlen dem Ex-Stürmer aber die durchschlagenden Argumente: In der Champions League landen die Berliner nach dieser Saison nicht.

6. Augsburg freut sich über seinen Hahn

Vom FC Augsburg zu schwärmen ist ungefähr so originell, wie zu erkennen, dass die Bremer Abwehr ein ernsthafter Kandidat für den Friedensnobelpreis ist. Die Mannschaft von Trainer Markus Weinzierl ist nach dem souveränen 4:1 beim VfB Stuttgart seit nunmehr acht Spielen ungeschlagen, steht hinter den Münchnern und den Schalkern auf Rang drei in der Rückrundentabelle und auf Platz acht, wenn man alle 20 Partien in dieser Saison zählt - in Reichweite der Plätze, die zur Teilnahme am internationalen Geschäft berechtigen.

Vor allem aber: Die Augsburger spielen richtig guten Fußball. Allen voran André Hahn. Der rechte Außenstürmer hatte bereits zum Start in die Rückrunde beim 2:2 in Dortmund beide Tore vorbereitet, beim 3:1 gegen Bremen in der vergangenen Woche legte er Halil Altintop das 2:1 vor, erzielte das letzte Tor selbst. Und in Stuttgart schlug er gleich zweimal zu, zum 0:2 und 0:3 - es waren seine Saisontreffer acht und neun. Und was ist jetzt mit Europapokal? "Natürlich dürfen wir träumen", sagt Hahn. "Wir bleiben aber trotz unserer Serie realistisch und wollen auch genauso weitermachen."

Quelle: n-tv.de