Vier Frauen, ein großer Mann - und ein Baby

Gruselfund in Magdeburg: Skelette unter Polizeiwache entdeckt

© Landesmuseum Halle

17. September 2019 - 12:52 Uhr

Es gibt Hinweise auf ein sechstes Grab

Ein großer Mann ruht in gehockter Position in seinem Grab. Höchstwahrscheinlich ist er qualvoll an einer Zahnwurzelentzündung in Ober- und Unterkiefer gestorben. In einer Grabgrube liegt das Skelett einer jungen Frau, neben ihr der "Leichenschatten" eines Babys. Archäologen haben in Magdeburg Gräber aus der Bronzezeit entdeckt - und das ausgerechnet auf dem Gelände der hiesigen Polizeiinspektion. Es ist der wohl älteste Friedhof der Stadt.

Knochen erzählen ihre Geschichte

Die Polizeiwache sollte aufwändig saniert werden, doch im Vorfeld stießen Archäologen auf das dunkle Geheimnis: Auf einer Fläche von ungefähr 6 x 37 Metern haben sie ein Gräberfeld der Mittelbronzezeit (1550 bis 1300/1250 v. Chr.) mit insgesamt fünf Gräbern und Hinweisen auf eine sechste Ruhestätte entdeckt. Bei zwei Hockgräbern sei sogar "eine Datierung in die ausgehende Frühbronzezeit (2200–1550 v. Chr.) wahrscheinlich", schreibt das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt.

Die Polizei twitterte, es handele sich um die "bestbewachsteste Ausgrabungsstätte" und beruhigte auch gleich besorgte Bürger: "Skelette bei der PI Magdeburg!? Keine Sorge, es handelt sich nicht um Spuren einer Straftat... ." Trotzdem sind die Ausgrabungen beinahe so spannend wie ein Kriminalfall, denn: Auch nach Tausenden von Jahren unter der Erde erzählen die Knochen noch immer ihre Geschichte.

Skelette erstaunlich gut erhalten

Insgsesamt fünf nahezu vollständige Skelette von "zierlichem Wuchs" haben die Wissenschaftler um Grabungsleiter Dr. Göste Ditmar-Trauth bereits gefunden. Es handelt sich um die sterblichen Überreste von vier Frauen und eines Mannes. Die Toten wurden gestreckt, auf dem Rücken liegend und bogenförmig angeordnet bestattet, die Köpfe gen Osten ausgerichtet. Ein Mann und eine Frau wurden in gehockter Position beigesetzt. Die bestatteten Frauen wurden nach Angaben des Landesmuseums Halle "mit ihrem Schmuck - zum Beispiel Ohrringe; Spiralringe, die auf Haarsträhnen aufgefädelt an den Schläfen saßen; Keramikgefäße - beigesetzt". In einer Pressemitteilung heißt es, dass in einer Grabgrube "neben dem Skelett einer Frau auch kleine Knochenflitter und der Leichenschatten eines Säuglings nachweisbar" waren.

Das besondere Interesse gilt jedoch dem männlichen Leichnam. Der Tote sei um die 40 gewesen und fast zwei Meter groß, was für die damalige Zeit nicht ungewöhnlich war, wie die "Magdeburger Volksstimme" berichtet. "Das war eine Blütezeit, in der mit bis zu zwei Metern Körpergröße die Riesen von Sachsen-Anhalt gelebt haben", sagte Ditmar-Trauth der Zeitung. Bemerkenswert sei das Gebiss des Toten, das "spektakulärerweise noch vollständig" sei und zeige, "dass er qualvoll an einer Zahnwurzelentzündung gestorben sein muss".