Hoeneß wettert schon dagegen

Grünes Licht für Gehaltsobergrenze im Fußball

Leroy Sane - Neuzugang beim FC Bayern München
© dpa, -, jai

03. August 2020 - 9:45 Uhr

„Salary Cap“ unter einer Voraussetzung machbar

Gehälter von mehr als 20 Millionen Euro im Jahr sind im Fußball keine Seltenheit mehr. Bayern-Neuzugang Leroy Sané soll 22 Millionen Euro jährlich kassieren, Barcelona-Star Lionel Messi verdient angeblich sogar eine Million Euro – am Tag! Eine Deckelung der Spielergehälter könnte den Summen Einhalt gebieten. Doch wäre ein "Salary Cap" überhaupt mit EU-Recht vereinbar? Ein Rechtsgutachten des Bundestags kommt zu dem Schluss: ja. Mit Bayern Münchens Ehrenpräsident Uli Hoeneß gibt es jedoch einen lautstarken Kritiker.

Uefa muss Deckelung einführen

Eine Gehaltsobergrenze im Fußball ist durchaus möglich. Zu dieser Auffassung kommen zwei Rechtsgutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages, die der SPD-Politiker Thomas Oppermann laut eines Berichts der Süddeutschen Zeitung in Auftrag gegeben hat. Voraussetzung für eine Deckelung der Millionengehälter sei aber die Einführung durch die Europäische Fußball-Union (Uefa).

Die Gutachten sollen den Clubs der 1. und 2. Bundesliga am Dienstag auf der DFL-Mitgliederversammlung vorgestellt werden. Oppermann, der seit 2019 dem Ethikkomitee des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) vorsitzt, will für eine solche Obergrenze - auch international - werben.

"Das ganze Geschäftsmodell des Fußballs stand durch die Corona-Krise mit einem Schlag auf der Kippe", sagte Oppermann der SZ. Im Herbst wolle er bei der Klausurtagung in Brüssel die Chancen ausloten, "eine entsprechende Regelung europarechtlich abzusichern".

Eine Gehaltsobergrenze könnte die Ansammlung der Top-Stars bei Clubs wie Madrid, Barcelona, Liverpool, Manchester oder München aushebeln und dadurch zu mehr Chancengleichheit führen, hoffen die Befürworter. Zudem würde es den Gehälter-Wahnsinn eindämmen, der dem "normalen" Fans nicht mehr zu vermitteln ist.

Hoeneß:"Das wird nicht funktionieren"

Bayern Münchens Ehrenpräsident Uli Hoeneß hält eine Gehaltsobergrenze allerdings nicht für ein geeignetes Mittel gegen das zunehmende finanzielle Gefälle im europäischen Fußball. "Das wird nicht funktionieren", sagte Hoeneß im Interview mit der FAZ und nannte eine frühere Erfahrung als Begründung.

"Bei der G14, dem früheren Zusammenschluss der großen europäischen Clubs, wurde mal ein Gentlemen's Agreement geschlossen, sich gegenseitig die Spieler nicht wegzukaufen", berichtete der 68-Jährige: "Bis zur nächsten Sitzung hatten wieder zwei von den Größten den anderen was weggeholt. Da haben wir das beendet, bevor es überhaupt richtig losgegangen war."

30.08.2019, Fussball 1. Bundesliga 2019/2020, FC Bayern München, Pressekonferenz mit Uli Hoeneß, im Presseclub in der Allianzarena München. Präsident Uli Hoeneß (FC Bayern München) bei der PK. *** 30 08 2019, Soccer 1 Bundesliga 2019 2020, FC Bayern
Uli Hoeneß hält nichts von einer Gehaltsobergrenze und zieht einen Vergleich.
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Auch Playoffs oder eine Umverteilung der Fernsehgelder in Deutschland hält Hoeneß nicht förderlich für mehr Spannung in der Bundesliga. Dagegen befürwortete er wie schon in der Vergangenheit die Abschaffung der 50+1-Regel, um Investoren die Übernahme von Clubs zu ermöglichen: "Da wäre ich sofort dabei. Wenn die Meinung ist, dass damit eine größere Chancengleichheit käme, wir würden nie dagegen stimmen."

Quelle: RTL.de/dpa/sid