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Hofreiter bezeichnet Bauern-Demo als "falschen Ansatz"

26. November 2019 - 9:49 Uhr

Ignoranz hilft auch nicht weiter

Als "falschen Ansatz" bezeichnete Grünen-Ko-Fraktionschef Anton Hofreiter die Proteste der Landwirte in Berlin als Reaktion darauf, "dass es von Seiten der Bundesregierung nun ein ganz kleines bisschen mehr Insektenschutz" gebe. "So etwas wie das Artensterben oder die Verschmutzung des Grundwassers gehen nicht weg, indem man es ignoriert", sagte Hofreiter der RTL/n-tv Redaktion. "Noch weniger Naturschutz machen, noch mehr Dünger ausbringen, das ist nicht die richtige Antwort", so der Grünen-Politiker.

Interview in voller Länge im Podcast

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Verständnis für Landwirte

Hofreiter signalisierte aber auch grundsätzlich Verständnis: "Man muss die Landwirte verstehen. Sie stehen nach Jahren falscher Agrarpolitik wirklich mit dem Rücken zur Wand." Sowohl das Landwirtschaftsministerium als auch der Bauernverband hätten unter dem Motto "Wachse oder weiche" Bauern "gelockt", ihre Betriebe immer weiter zu vergrößern. Das habe letztlich dazu geführt, dass es immer weniger Höfe gebe. Zusätzlich sei über Jahre dafür gesorgt worden, "dass die Einkommen der Landwirte immer schlechter geworden sind".

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Mehr Unterstützung und größere Transparenz

Seine Partei sieht er "auf der Seite der Bauern". Hofreiter forderte, den Flächenbezug bei Subventionen zu streichen und das Kartellrecht zu reformieren. Bei den bürokratischen Regeln müssten Größengrenzen für die Lebensmittelverarbeitung eingeführt werden. "Viele Landwirte können gar keine kleine Molkerei mehr finden oder sie, wenn sie Tiere haben, nur noch an einen Großschlachthof gehen können, weil der kleine Metzger aufgrund überbordender Regelungen aufgeben musste", sagte Hofreiter. Zudem forderte Hofreiter neue Kennzeichnungsmethoden, um Qualitätsunterschiede auch in der konventionellen Tierhaltung für den Verbraucher besser erkennbar zu machen.

10.000 Teilnehmer zu Protesten erwartet

Aus Ärger über die Agrarpolitik der Bundesregierung wollen heute mehrere Tausend Bauern aus ganz Deutschland in Berlin demonstrieren. Zu einer Kundgebung am Brandenburger Tor um 12.00 Uhr erwarten die Veranstalter 10.000 Teilnehmer und rund 5000 Traktoren. Der Protest richtet sich unter anderem gegen geplante schärfere Vorgaben zum Insekten- und Umweltschutz und weitere Düngebeschränkungen zum Schutz des Grundwassers.