Fürs Klima geht's um die Wurst

Die Grünen fordern: Fleisch, Milch und Butter müssen teurer werden – dem Klima zuliebe

Teurer Genuss: Die Grünen fordern, dass Fleisch und Wurst aus Massentierhaltung teurer werden.
Teurer Genuss: Die Grünen fordern, dass Fleisch und Wurst aus Massentierhaltung teurer werden.
© picture-alliance/ dpa, Patrick Pleul

19. Dezember 2019 - 13:20 Uhr

Kampf gegen den Fleischkonsum: Grüne wollen klimaschädliche Tierprodukte teurer machen

Hand aufs Herz: Fleisch aus Massentierhaltung landet bei uns allen hin und wieder im Einkaufswagen. Zwar kaufen es wohl nur die Wenigsten von uns aus Überzeugung – aber der Preis ist eben unschlagbar. Zumindest bis jetzt. Denn die Grünen sagen unserem Fleischkonsum den Kampf an. Wie die Berliner Tageszeitung "taz" meldet, will die Partei Fleisch und auch andere tierische Lebensmittel wie Butter, Milch und Käse teurer machen – mit einem Klima-Aufpreis. Soll heißen: Produkten, deren Herstellung besonders klimaschädlich ist, wollen die Grünen eine besonders hohe Abgabe aufdrücken.

Grünen-Chef Habeck: "Auch die Landwirtschaft muss ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten"

Die Partei begründet ihr Vorhaben so: Wenn Fleisch und Co. teurer werden, wird weniger davon gekauft – und so das Klima entlastet. Immerhin ist die Agrarwirtschaft für insgesamt rund 14 Prozent unserer Treibhausgase verantwortlich. Beispiel gefällig? Für ein Kilo Rindfleisch wird etwa die 23-fache Menge an Treibhausgasen ausgestoßen wie für ein Kilo Gemüse.

Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Wenn sich die Preise von Produkten aus Massen- und aus Öko-Tierhaltung annähern, werden womöglich mehr nachhaltige Produkte gekauft. "Auch die Landwirtschaft muss ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten", kommentiert Grünen-Chef Robert Habeck die Pläne seiner Partei. "Deshalb sollte sie auch in die Bepreisung von Klimagasen miteinbezogen werden."

Beschlossen hatten die Grünen den Klima-Aufpreis auf ihrem Parteitag Mitte November. "Zu den Sektoren, die bislang nicht durch den europäischen Emissionshandel erfasst werden, gehört auch die Landwirtschaft", zitiert die taz aus einem dort verabschiedeten Beschluss. "Wir führen die Bepreisung von Klimagasen daher auch für landwirtschaftliche Produkte ein, angefangen mit tierischen Lebensmitteln", heißt es weiter.

Zweiter Anlauf nach Veggie-Day-Debakel: "Heute ist die Gesellschaft weiter"

Nicht nur Fleisch, sondern auch andere tierische Produkte wie Milch, Butter und Käse könnten mit einer Klima-Abgabe erheblich teurer werden.
Nicht nur Fleisch, sondern auch andere tierische Produkte wie Milch, Butter und Käse könnten mit einer Klima-Abgabe erheblich teurer werden.
© iStockphoto, iStock, iStock/97

Wie das Ganze in der Praxis aussehen soll, ist noch unklar. Möglich wäre beispielsweise, dass für den Ausstoß von Treibhausgas entweder Zertifikate gekauft werden oder eine Steuer gezahlt wird. Wie stark sich Fleisch, Milch und Butter konkret verteuern sollen, lassen die Grünen auch noch offen.

"Fleisch: 18 Prozent teurer, Butter: 64 Prozent teurer" – diese Zahlen geistern aktuell als Horror-Szenarien durch die Medien. Dass die Grünen das tatsächlich so fordern werden, ist zwar möglich, aber noch lange nicht beschlossene Sache.

Der Beschluss sei eine Art Kehrtwende, sagte Grünen-Sprecher Philipp Bruck der taz. Er hatte das Vorhaben auf den Weg gebracht. Vor sechs Jahren noch hatte der Vorschlag der Grünen, aus ökologischen Gründen einen sogenannten "Veggie-Day" in Kantinen einzuführen, für heftige Empörung gesorgt. "Heute sind Partei und Gesellschaft weiter", so Bruck. "Eine Steuer oder Abgabe auf Fleisch und Milch löst keine Panik mehr aus."

Auch interessant