24. Juni 2019 - 18:01 Uhr

Die Grünen fordern aktives Mobilitätsmanagement

Im Kalender von Spitzenpolitikern liegen zwischen zwei Terminen oft nur wenige Minuten. Wichtige Telefonate, E-Mails oder inhaltliche Vorbereitungen werden im mobilen Büro, der Dienst-Limousine erledigt. Oft finden Termine an einem Tag an unterschiedlichsten Orten statt, die nur mit dem Flugzeug erreicht werden können. Schluss mit dem Reise-Wahnsinn, fordern die Grünen. In Zukunft sollen auch Politiker ihre Termine rechtzeitig planen, um die Anreise mit dem Zug zu ermöglichen.

Politiker auf der Schiene

Eine Bahn-Kundin kauft am 1.8.2003 im Frankfurter Hauptbahnhof eine Bahncard. Für Millionen Zugreisende in Deutschland gelten vom 1. August an neue Preise. Nach monatelanger Kritik an ihrem erst im Dezember eingeführten Tarifsystem bietet die Deutsch
Was viele nicht wissen: Alle Bundestags-Abgeordneten haben eine Bahncard 100. (Archivbild)
© picture-alliance / dpa, Oliver Berg

Welcher Politiker wie oft fliegt, ist gut dokumentiert. Anders sieht es aus, wenn es um Dienstreisen auf der Schiene geht. Die Ministerien halten sich mit genauen Auskünften zurück. Zwar haben einige Minister, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, erklärt, dass Bahnfahren für sie selbstverständlich zum Alltag gehöre – Reiseverläufe liegen jedoch nicht vor. Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Matthias Gastel, fordert eine bessere Terminplanung, mit mehr Vorlauf, um mehr Bahnreisen im Alltag des politischen Geschäfts zu ermöglichen.

BahnCard 100 ist für Abgeordnete inklusive

Was viele nicht wissen, alle Mitglieder des Bundestags haben eine BahnCard 100. Das bedeutet, sie können zu jederzeit in einen Zug der Deutschen Bahn einsteigen und in der ersten Klasse reisen, ohne ein Ticket zu kaufen. Die Nutzung der Bahn wird somit vereinfacht.

Grünen Parteichef Robert Habeck fordert ein Umdenken

Auf Anfrage von RTL erklärt Parteichef Robert Habeck, dass sich die Erwartungshaltung in unserer Gesellschaft verändern müsse. "Es ist so selbstverständlich geworden, dass wenn man antwortet, man könne einen Termin innerhalb von drei Stunden nicht wahrnehmen, dass man zur Antwort bekommt: warum, es geht doch davor noch ein Flieger. Kannst doch um 19 Uhr da sein und um 20 Uhr reden."

Habeck sieht in diesem Denken das größte Problem. Er selbst geht mit gutem Beispiel voran: "Seitdem wir entdeckt haben, dass es wieder Nachtzüge in Deutschland gibt, bauen wir den Kalender so um, dass man nicht ein Hotel nimmt und dann fliegt, sondern dann tatsächlich Nachtzüge nimmt." Trotzdem hat Habeck Verständnis dafür, dass nicht alle Politiker so planen können. Die Bundeskanzlerin könne aufgrund der Sicherheitsstandards und des Termindrucks selbstverständlich nicht mit der Bahn von Termin zu Termin reisen, erklärte Habeck.