Grüne: Wulff wäre vielleicht nicht Präsident geworden

10. Februar 2016 - 11:48 Uhr

Grüne zur Kreditverheimlichung

Vor drei Jahren bekam Christian Wulff von einer Unternehmerfrau ein privates Darlehen, um ein Haus zu kaufen. Nun gerät der Bundespräsident deswegen in die Kritik, da er den Kredit dem Landtag verschwieg. Die Grünen meinen sogar: Wulff wäre vielleicht nicht Bundespräsident geworden, wenn die Geschichte damals schon ans Licht gekommen wäre.

Geerkens, Kreditaffäre Wulff
Egon Geerkens und seine Frau Edith auf dem Sommerfest des Bundespräsidenten im Schloss Bellevue in Berlin
© dpa, AEDT

"Wir wollen genau wissen, was war", sagte der Fraktionschef der Grünen im niedersächsischen Landtag, Stefan Wenzel. Er erwarte, dass Wulff offenlege, welches Geld über welche Konten geflossen sei. Wulff möchte sich zu den Anschuldigungen jedoch nicht äußern.

Den Privatkredit über eine halbe Million Euro hat er als niedersächsischer Ministerpräsident 2008 von der Unternehmergattin Edith Geerkens erhalten. Im Landtag in Hannover gab er diesen Kredit aber nicht an, als er nach geschäftlichen Beziehungen zu Egon Geerkens gefragt wurde.

Das Bundespräsidialamt wies alle Kritik zurück, die Anfrage von zwei Grünen-Abgeordneten im Landtag sei damals "korrekt beantwortet" worden, sagte der Sprecher des Bundespräsidenten, Olaf Glaeseker. Die Anfrage im Landtag habe sich auf geschäftliche Beziehungen zu Egon Geerkens oder zu einer Firma bezogen, an der dieser beteiligt war. "Solche geschäftlichen Beziehungen bestanden und bestehen nicht", so Glaeseker. Es habe lediglich eine Vereinbarung mit Frau Edith Geerkens zu einem Darlehen aus ihrem Privatvermögen gegeben. "Dementsprechend wurde die unmissverständliche Anfrage wahrheitsgemäß verneint", erklärte Glaeseker.

Durch den privaten Darlehensvertrag mit Frau Geerkens, die mit dem Bundespräsidenten seit vielen Jahren befreundet sei, hätten die Eheleute Christian und Bettina Wulff 2008 den Kauf ihres Einfamilienhauses zu einem Zinssatz von vier Prozent finanziert. Die fälligen Zinsen seien fristgerecht gezahlt worden. Im Frühjahr 2010 sei das Privatdarlehen durch eine Bankfinanzierung mit niedrigerem Zinssatz abgelöst worden, erklärte Glaeseker schriftlich.

Geerkens: "Das war ein sauberes Geschäft"

Auch Geerkens selbst wies die Kritik an Wulff zurück. "Das war ein ganz sauberes Geschäft", sagte Geerkens 'Spiegel Online'. "Es gab und gibt keine Geschäftsbeziehung zwischen mir und ihm." Das Geld stamme von seiner Frau. Allerdings sagte Geerkens, dass er persönlich den Scheck an Wulff ausgestellt habe, nachdem seine Frau das Geld aus der Schweiz auf sein deutsches Konto in Osnabrück überwiesen habe. Die fälligen Zinsen seien fristgerecht gezahlt worden. Im Frühjahr 2010 sei das Privatdarlehen durch eine Bankfinanzierung mit niedrigerem Zinssatz abgelöst worden, erklärte Glaeseker schriftlich.

Wulff hatte seinen Weihnachtsurlaub 2009 in der Florida-Villa des Unternehmers verbracht, der wie er aus Osnabrück stammt und mit ihm lange befreundet ist. Der Flug nach Miami brachte Wulff die sogenannte Air-Berlin-Affäre ein, weil er und seine Frau Bettina sich von der Fluggesellschaft, deren Chef damals noch Joachim Hunold war, kostenlos von der Economy in die Business Class hatten hochstufen lassen.

Aus der Bundespolitik kam nur verhaltene Kritik an Wulff. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann sagte, Wulff habe den Landtag nicht belogen. Aber: "Ich kann den Ärger der Abgeordneten des Landtages verstehen. Denn Christian Wulff hat ihnen nicht die ganze Wahrheit gesagt."

Rückendeckung bekommt Wulff von FDP-Chef Philipp Rösler. In der 'Passauer Neuen Presse' nahm Rösler Wulff gegen alle Vorwürfe in Schutz.