„Perversion der Wegwerfgesellschaft“

Grüne wollen Online-Händlern verbieten, zurückgeschickte Waren zu vernichten

11. Juni 2019 - 5:20 Uhr

Viele Retouren landen im Müll

Die bestellten Schuhe passen nicht, der Pullover hat die falsche Farbe und das Tablet hat einen Kratzer - viele Produkte, die die Deutschen im Internet bestellen, werden wieder an den Onlinehändler zurückgeschickt. Das ist wegen des Transports nicht nur eine zusätzliche Belastung für das Klima, ein großer Teil dieser Retouren wird dann auch nicht weiterverkauft, sondern vernichtet. Das wollen die Grünen gerne ändern.

Neuwertige Ware soll gespendet werden

Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt
Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt will Onlinehändlern verbieten, zurückgeschickte Ware zu vernichten.
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Online-Versandhändlern wie Amazon, Otto und Co. sollte ihrer Ansicht nach verboten werden, von Kunden zurückgeschickte neuwertige Waren zu vernichten. "Wir erleben eine Perversion der Wegwerfgesellschaft", sagte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Da sei der Staat gefordert.

Bei solchen Retouren handele es sich oftmals um neuwertige Produkte, die voll funktionsfähig seien und höchstens einen Kratzer hätten. Solche Dinge sind zu schade für den Müll. Darum sollten die Produkte, die wirklich nicht weiterverkauft werden könnten, beispielsweise an Sozialkaufhäuser verschenkt werden, findet die Grünen-Politikerin.

487 Millionen Artikel wurden letztes Jahr zurückgeschickt

Bundesweit wird nach Internetbestellungen jedes sechste Paket wieder zurückgeschickt, wie Forscher der Uni Bamberg berechneten. Bei Kleidung und Schuhen geht sogar fast die Hälfte aller Päckchen an den Absender zurück. Allein im letzten Jahr waren das 280 Millionen Pakete mit 487 Millionen bestellten Artikeln.

Nur 79 Prozent der Ware kann nach dem Zurückschicken ganz normal weiterverkauft werden. 13 Prozent können die Händler nur noch als B-Ware anbieten und rund vier Prozent der zurückgeschickten Teile landen im Müll. Im Moment werden nur drei Prozent der Produkte weiter an industrielle Verwerter verkauft oder gespendet.

Weitere Informationen zum Rückgaberecht beim Online-Shopping gibt es hier.